Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Ulrich Badde am Schreibtisch

Auf Augenhöhe mit den Kunden

Für Marc Birkholz ist das Handicap ein Vorteil im Beruf

Es muss nicht immer eine neue Ausbildung sein: Eine spezielle Integrationsmaßnahme im Berufsförderungswerk (BFW) Düren eröffnete dem fast blinden Marc Birkholz ganz neue Chancen und ermöglichte den Einstieg in den Beruf.

Und plötzlich war alles anders: Marc Birkholz war 15 Jahre alt, als bei ihm die unheilbare Augenerkrankung Retinopathia pigmentosa festgestellt wurde. „Mitten in der Pubertät hat mich die Diagnose völlig unvorbereitet getroffen und mein Leben von einem Tag auf den anderen vollkommen auf den Kopf gestellt”, erinnert er sich. Der heute 32-Jährige wurde damals nicht nur mit der Tatsache konfrontiert, dass er irgendwann ohne Augenlicht auskommen muss, er wurde durch die Erkrankung auch aus seinem gewohnten Umfeld herausgerissen. „Das Sehen hat sich so verschlechtert, dass ich eine normale Schule nicht mehr länger besuchen konnte und zur Landesschule für Blinde und Sehbehinderte in Neukloster wechseln musste.” Hier lernte der Teenager, sich mit seinem Handicap auseinanderzusetzen, damit umzugehen und ein weitgehend normales Leben zu führen.

Auf Umwegen zum Ziel
Nach dem Schulabschluss ließ sich Marc Birkholz zunächst in Chemnitz zum Masseur und medizinischen Bademeister ausbilden, weil ihm aber die staatliche Anerkennung fehlt, kann er in diesem Beruf nicht arbeiten. Auf Anraten des Arbeitsamtes absolvierte er eine zweite Ausbildung zur medizinischen Schreibkraft und war nach dem Abschluss wieder arbeitslos. „Zwei Jahre habe ich erfolglos einen Job gesucht”, erinnert er sich – eine Situation, in der viele die Hoffnung verloren hätten. Doch Marc Birkholz gab nicht auf und nahm sein Schicksal in die Hand: Er stellte bei der Rentenversicherung einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA), der zunächst abgelehnt, dann aber im Widerspruchsverfahren doch noch bewilligt wurde.

In einer zwölfmonatigen Qualifizierung zur Integration blinder und sehbehinderter Menschen in den Beruf (ISB) im BFW Düren frischte er seine Fachkenntnisse auf und erwarb neue wichtige Schlüsselkompetenzen. „Ob neueste Techniken, intensives Bewerbungstraining oder der Umgang mit entsprechenden Hilfsmitteln, hier habe ich das nötige Rüstzeug bekommen”, sagt er. „Und so war der Umweg über das BFW Düren genau der richtige Weg, um das Ziel – den Einstieg ins Berufsleben – zu meistern”, sagt er. Seit Herbst ist Marc Birkholz in einem kleinen Ennepetaler Unternehmen angestellt, das Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte vertreibt. „Hier bin ich genau richtig”, sagt er. „Blinde und sehbehinderte Menschen müssen glaubwürdig beraten werden, wenn es um Hilfsmittel geht. Und als Betroffener weiß ich schließlich, wovon ich spreche. Ich bin also absolut auf Augenhöhe.” 

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