Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Ulrich Badde am Schreibtisch

Barrieren stacheln mich an

Für Ulrich Badde ist die Blindheit kein Hindernis

„Ich vermisse nichts, weil ich es nicht anders kenne“, sagt Ulrich Badde. Für den 35-jährigen Richter, der seit frühester Kindheit blind ist, war die Behinderung nie ein Hindernis, das zu erreichen, was er sich vorgenommen hat. Ganz im Gegenteil, mit einem gesunden Selbstbewusstsein geht er jede Herausforderung an und ist sich sicher: „Wenn Menschen mit einem Handicap die Chance bekommen, sich zu verwirklichen, können sie über sich hinauswachsen.“

„Ich habe mich noch nie durch meine Blindheit ‚behindert‘ gefühlt“, sagt Ulrich Badde mit Nachdruck. „Vielleicht liegt das an der positiven Grundeinstellung, die mir meine Eltern von Anfang an mit auf den Weg gegeben haben. Denn in Watte wurde ich nie gepackt: Ob Fußball, Schlittschuhlaufen oder Skifahren – ich habe Dinge immer einfach ausprobiert und hatte das Glück, dabei auf hilfsbereite und aufgeschlossene Menschen zu stoßen.“ Engagierte Pädagogen zum Beispiel, die es tatkräftig unterstützten, dass Ulrich Badde von der Grundschule bis zum Abitur eine „normale“ Schule besucht hat. „Ich war der einzige nichtsehende Schüler und habe großen Respekt für meine Lehrer, die sich ganz offen und sehr kreativ auf das Abenteuer eingelassen haben. Und das zu einer Zeit, als Inklusion noch kein gesamtgesellschaftliches Thema war“, ergänzt er. „Heute machen sich die Leute oft zu viele Gedanken, wie Integration funktionieren kann und vergessen vor lauter Sorge, es einfach auszuprobieren.“ Auch im Beruf ist sein Handicap kein Hindernis: Als Richter am Landgericht Münster kümmert er sich um alles, was recht ist. Hilfe bekommt er dabei von seinem Computer mit Braillezeile und Sprachausgabe, bei Bedarf bieten eine Vorlesekraft oder die Kollegen Unterstützung. „Ein blinder Richter – wie passend: Justitia sollte ja blind sein und ohne Ansehen der Person urteilen“, scherzt der Münsteraner und fügt augenzwinkernd hinzu: „Ich bin mir allerdings nicht sicher, inwieweit ich dem gerecht werde, denn auch wenn ich kein visuelles Bild vor Augen habe, habe ich natürlich einen ersten Eindruck von Menschen.“

Ein gesundes Lebensprinzip
Ein Ausgleich zu seinem Job ist der Sport: In seiner Freizeit läuft der 35-Jährige regelmäßig Marathon. Das Augenlicht ersetzt ihm dabei ein Laufpartner, der über ein Band direkt mit ihm verbunden ist. „Für mich war es eigentlich schon immer Normalität, mittendrin zu sein, egal, ob im Beruf oder beim Sport“, sagt Ulrich Badde. Auch wenn er schon viel erreicht hat, der aktive Münsteraner will noch hoch hinaus: Sein größter Traum ist es, den Kilimandscharo zu besteigen. „Mich reizen einfach Grenzerfahrungen. Und wenn mir jemand sagt: ‚Das kannst du nicht!‘ ist das erst recht eine Herausforderung, es mir und anderen zu beweisen. Die Barrieren in den Köpfen der anderen stacheln mich erst richtig an.“

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