Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Cem Tören und sein Smartphone

Das Leben im Griff

Cem Tören hat seine Zukunft im Visier

„Die nachlassende Sehkraft hat keinen Einfluss auf meine Lebensfreude – zumindest nicht mehr“, sagt Cem Tören. Der junge Mann hat eine Augenkrankheit und ist heute nahezu blind. Zu akzeptieren, dass er sein Augenlicht mehr und mehr verlieren wird, war kein leichter Weg. Aber er hat sein Leben mit Handicap erfolgreich gestaltet.

In einem Alter, in dem seine Altersgenossen zum ersten Mal berufl ich voll durchstarteten, hieß es für Cem Tören: zurück auf Null. Mit 19 Jahren, mitten in der Ausbildung zum Pfl egefachhelfer, erfuhr er, dass er Retinitis pigmentosa hat. Und was diese Diagnose bedeuten kann, das wusste Cem Tören damals sehr genau: „Ich habe die Krankheit von meinem Vater geerbt – auch er wurde sehend geboren und ist dann langsam erblindet“, erklärt er. Sich damit abzufi nden, dass auch sein Augenlicht mehr und mehr schwinden wird, das war „ein hartes Stück Arbeit“, wie er selbst sagt: „Ich musste mein Leben völlig neu ordnen, und mich auch berufl ich neu orientieren, denn in meinem erlernten Beruf konnte ich wegen der fortschreitenden Verschlechterung meiner Augen nicht arbeiten“, erzählt der 24-Jährige.

Krise erfolgreich bewältigt

Unterstützung fand er von Anfang an im Berufsförderungswerk. In einer Grundrehabilitation lernte der junge Mann den Umgang mit Punktschrift und Langstock – und erlebte seine erste Krise: „Durch die intensive Auseinandersetzung mit der Krankheit war ich an meinem persönlichen Tiefpunkt angekommen.“ Gerade noch rechtzeitig ging er einen wichtigen Schritt – mit psychologischer Hilfe schaffte er es, seine Behinderung anzunehmen: „Zugegeben, es hat einige Zeit und Kraft gebraucht, um zu verstehen, dass ich mein Leben auch dann im Griff haben kann, wenn ich blind bin.“ Heute geht er selbstbewusst mit seinem Handicap um und macht alles soweit wie möglich eigenständig. Dabei hilft ihm auch die moderne Technik: „Das iPhone hat mir ein Stück Unabhängigkeit zurückgegeben“, bestätigt der bekennende Technik-Freak: „Das Smartphone macht schon vieles leichter, aber letzten Endes verlasse ich mich doch lieber auf mich, denn jede Technik hat auch ihre Grenzen.“ Die Zukunft geht Cem Tören mittlerweile ganz entspannt an: „Erstmal beende ich nächstes Jahr meine Ausbildung zum Masseur und Med. Bademeister im BFW Mainz und vielleicht hänge ich dann noch die Weiterqualifi zierung zum Physiotherapeuten an“, sagt er gelassen. „Natürlich werden immer wieder Tiefs auf mich zukommen, aber spätestens meine Freundin und meine Familie holen mich immer wieder hoch – die sind ein toller Rückhalt.“ Auch die Familienplanung hat der Unterfranke im Visier – Angst, die Krankheit an seine Kinder zu vererben, so wie sein Vater an ihn, hat er dabei nicht: „Es kommt, wie es eben kommt. Und an mir sieht man ja, wie positiv sich alles entwickeln kann. Auch ohne Augenlicht.“

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