Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Eine Frage der Einstellung

Dass eine zunehmende Seheinschränkung oder gar der Verlust des Augenlichts kein unüberwindbares Hindernis sind, um am Berufsleben teilhaben zu können, zeigen diese vier Erfolgsgeschichten. 

Josef Michael im Portrait

Das BFW als Sprungbrett

„Die Dinge nehmen wie sie kommen und sich beruflich nicht festlegen“, das ist für Josef Michael heute selbstverständlich. Als Kleinkind erkrankt er an einer Gehirntuberkulose, die zum Sehnervschwund führte. 1976 kommt er, mit seinem Abschluss aus der Blindenschule in der Tasche, das erste Mal ins BFW Düren und lässt sich zum Industriemontagehelfer ausbilden. 15 Jahre arbeitet er in dem gelernten Beruf, bis die Firma insolvent geht. Damit verliert er seine berufliche Perspektive und wendet sich erneut an das BFW.

„Ich fühle mich im BFW immer gut aufgehoben und habe dann einen zweiten Anlauf gestartet“, sagt Josef Michael. Eine zweijährige Ausbildung zum Telefonisten wird dem gebürtigen Kölner durch den Rentenversicherungsträger bewilligt. Mit neuer Motivation nimmt er diese zweite Chance an und ist erfolgreich. Zwar wird er nicht in dem gerade gelernten Tätigkeitsbereich des Telefonisten angestellt, sondern wird Betreuer der Blindenarbeitsplätze der Universität zu Köln. Durch seine eigene Seheinschränkung weiß er, mit welchen Hindernissen oder Schwierigkeiten blinde und seheingeschränkte Studierende im Unialltag beschäftigt sind und unterstützt von der Einschreibung bis hin zum Examen. Neben organisatorischen Aufgaben übersetzt Josef Michael Texte der Studierenden in Blindenschrift. Auch wenn er selber nicht auf die Punktschrift angewiesen ist, beherrscht er sie. Das ursprünglich auf zwei Jahre angesetzte Projekt wird, wegen des hohen Zuspruchs, um 14 Jahre verlängert – nach dieser Zeit dann aber aufgegeben. Josef Michael verliert damit erneut seinen langjährigen Arbeitsplatz.

Offene Türen
Aber wieder stehen ihm die Türen im BFW Düren offen, denn die Rentenversicherung bewilligt ihm eine Integration sehgeschädigter Menschen in den Beruf (ISB). Bei dieser Maßnahme werden individuelle Eingliederungsziele ermittelt und besondere Hilfestellungen abgeleitet. Das ist bei Josef Michael gelungen: Der gelernte Telefonist findet eine neue Arbeitsstelle beim Bundesverwaltungsamt – allerdings mit einem befristeten Vertrag. Zwei Jahre später steht der Rheinländer wieder mit leeren Händen da. Damit steht er wieder vor einer ungewissen berufliche Zukunft und der Herausforderung eine neue Tätigkeit zu finden.

Nicht aufgegeben
Hängen gelassen hat Josef Michael sich aber nicht und erneut einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) beim Rentenversicherungsträger gestellt. Wieder erhält er einen positiven Bescheid und kommt zum vierten Mal ins BFW Düren. Mit einer Integrationsmaßnahme schöpft der 56-Jährige neue Hoffnung: Seit rund einem halben Jahr ist er als Praktikant als Telefonist beim Landgericht Aachen eingestellt, wo er ab Mitte Juli 2014 übergangslos als Mitarbeiter angestellt wird – wenn auch wieder befristet. „Auch wenn es Zeiten gab, in denen es mir nicht gut ging, haben mich die Mitarbeiter im BFW motiviert weiter zu machen.“

„Das BFW war immer ein Sprungbrett für mich“, sagt Josef Michael und ist stolz zum vierten Mal mit der Unterstützung des BFW Düren erfolgreich in Arbeit gefunden zu haben.

Dagmar Schlusche mit ihrer Handpuppe

Mit Willy zum Erfolg

Als Dagmar Schlusche vor rund zehn Jahren ihre Tätigkeit in der Gastronomie wegen ihrer starken Seheinschränkung aufgab, war das nicht einfach.

Selbst eine zwischenzeitliche Umschulung im BFW Würzburg im Bürobereich sorgte nicht dafür, dass die gebürtige Peinerin beruflich Fuß fassen konnte. Mit Unterstützung des Regional-Centers Hannover ging es dann aber endlich aufwärts. Ein Praktikum im Seniorenzentrum Godehardistift lief hervorragend, sodass die 47-Jährige im Dezember 2012 einen Arbeitsvertrag erhielt. Heute kümmert sie sich engagiert um das Wohlergehen der betagten Bewohner. Für viel Spaß und Abwechslung im Betreuungsalltag sorgt besonders ihre Handpuppe Willy. Mit dem schauspielerischen Talent von Dagmar Schlusche wurde der „freche Willy“ schnell zum Liebling aller Bewohner.

Pablo Schmitz in der Physiotherapiepraxis

Die Hände sehen lassen

Als Pablo Schmitz in der Schule eher zufällig in die hintere Sitzreihe versetzt wird, fällt auf, dass er nichts an der Tafel lesen kann. Sehnervschwund wird diagnostiziert. Erst im Praktikum bei einem seheingeschränkten Physiotherapeuten merkt er, wie gut sein Tastsinn ist und, dass er bei der Behandlung nicht primär auf die Augen angewiesen ist. Zielstrebig meistert er seine Ausbildung zum Physiotherapeuten im BFW Mainz und leitet heute den Mainzer Olympiastützpunkt, wo Athleten trainieren und für den Wettkampf fit gemacht werden.

Den richtigen Beruf finden, das ist wohl die schwierigste Aufgabe für Schüler im Anschluss an die Schulzeit. So auch für Pablo Schmitz, der zahlreiche Praktika gemacht hat, um herauszufinden welcher Beruf ihm, trotz Handicap, liegt. Als Erzieher, Altenpfleger oder in der Hotelbranche, der Funke ist nicht übergesprungen. Begeistert hat ihn dann aber sein Praktikum beim seheingeschränkten Physiotherapeuten: „Dort war meine Seheinschränkung kein Hindernis mehr, sondern ein Vorteil. Wenn man schlecht sieht, verlässt man sich mehr auf die Hände. Wie gut mein Tastsinn und Gefühl sind, habe ich da erst gemerkt“, sagt er.

Erfolgreich ausgebildet
Über den Antrag zu Leistungen auf Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) kam Pablo Schmitz ins BFW Mainz, wo er unterstützt und drei Jahre lang zum Physiotherapeuten qualifiziert wurde. „In der Realschule wurde ich schnell als Streber bezeichnet, da ich immer in der ersten Reihe sitzen musste und mehr Zeit für meine Aufgaben bekam. Im BFW war das völlig umgekehrt. Da nahm man mich mit zum Einkaufen, weil ich die Preisschilder lesen konnte und anderen eine große Hilfe war“, erzählt er. Theoretische Inhalte, praktische Übungen und zwei dreimonatige Praktika standen im BFW auf seinem Ausbildungsplan.

Im Arbeitsleben angekommen
Nach seinem Examen arbeitet Pablo Schmitz heute in einer physiotherapeutischen Praxis und in deren Zweistelle am Olympiastützpunkt in Mainz. Immer im Wechsel behandelt er einen Tag die Woche Patienten in der Praxis und den anderen Tag kümmert er sich um das Wohlergehen der Sportler am Olympiastützpunkt. Dort trainieren die Spitzensportler und bereiten sich auf die nächsten Wettkämpfe vor. Besonders Ruderer und Leichtathleten gehören zu seinen Patienten, die er physiotherapeutisch behandelt und für den nächsten Einsatz fit macht. „Die Sportler kennen ihren Körper oft besser als ich und wissen, was ihnen gut tut und was nicht. Das macht die Arbeit spannend.“ Immer wieder muss der Mainzer neue Behandlungsmöglichkeiten entwickeln, sich fortbilden und kreative Ideen einbringen. Und das gelingt ihm sehr gut, denn seit Mai 2014 leitet er gemeinsam mit dem Praxeninhaber die physiotherapeutische Abteilung am Mainzer Olympiastützpunkt. „Mit einem Jahr Berufserfahrung gilt man eigentlich noch als Berufseinsteiger. Da hat man noch nicht so viel Erfahrung und da finde ich es schon enorm, dass ich diese Chance bekomme“, sagt er stolz. Mit dieser Verantwortung muss der 22-Jährige jetzt flexibel sein und sich nach den Bedürfnissen der Sportler richten. „Da muss man dann schon mal länger bleiben. Aber ich finde es toll, am Ende des Tages ein Danke von meinen Patienten zu hören“, sagt Pablo Schmitz zufrieden.

Alexander Lode in seiner Firma

Zweite Chance genutzt

Mit 34 Jahren konnte Uwe Hödecke seinen Beruf als Versicherungsfachmann nicht mehr ausüben, denn sein Sehvermögen reichte dafür nicht mehr aus. Aber er steckte den Kopf nicht in den Sand.

„Jetzt erst recht“, dachte er sich und begann seine zweite berufliche Laufbahn. Im BFW Halle schulte er zum Verwaltungsfachangestellten um. Seine hervorragenden Leistungen zeigte er insbesondere in diversen Praktika bei der Stadtverwaltung Halle. Heute befindet sich Uwe Hödecke in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis und freut sich so wieder im Berufsleben angekommen zu sein. Die dafür erforderliche Arbeitsplatzausstattung hat ihm der Reha-Träger finanziert. Zurückblickend kann er sagen: „Die zweite Chance erfolgreich genutzt!“

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