Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Alle vier Rehabilitanden sind auf einer Fotocollage zusammengefügt.

Eine Frage der Einstellung

Vier kurze Porträts von Menschen, die trotz Seheinschränkung überaus erfolgreich am Arbeitsleben teilhaben

Vier Menschen, vier Schicksale, die eines eint: Die Seheinschränkung. Doch sie haben auf ganz unterschiedliche Art und Weise Wege gefunden, um ein beruflich erfülltes und finanziell unabhängiges Leben zu führen.

Porträtbild von Luis Baffetti

Wachsende Faszination

Gerade mal zwei Jahre lang, hat Luis Baffetti in seinem Studienberuf als Bauingenieur gearbeitet, als klar wurde: Seine fortgeschrittene Netzhautdegeneration machte es ihm zunehmend unmöglich, in diesem Bereich weiterzuarbeiten. „Manchmal vermisse ich den alten Beruf schon noch“, gibt er zu, fügt aber gleich an: „Als Physiotherapeut lindere ich Schmerzen und richte Patienten auf. Je mehr ich arbeite, desto mehr Erfolge sehe ich. Das gibt viel Kraft.“ Denn als Physiotherapeut ist er so gut, dass er direkt nach der dreijährigen Ausbildung im BFW Mainz bei einer Praxis in seiner Heimatstadt eingestellt wurde. Mit der Erfahrung wächst die Faszination für die Physiotherapie: „Es ist wahnsinnig interessant, wie komplex der menschliche Körper ist.“

Fahryie Delen an ihrem neuen Arbeitsplatz - mit Headset und PC.

Richtige Verbindung

Wer bei der Polizei des Kreises Düren anruft, der wird nicht selten von Fahriye Delen zum entsprechenden Sachbearbeiter freundlich und kompetent weitergeleitet. Dass die 42jährige nahezu blind ist, merken die Anrufer nicht. Dank ihres speziell eingerichteten Arbeitsplatzes – ein PC mit vergrößerter Bildschirmdarstellung und eine Brailleschrifttastatur – sorgt sie für die richtige Verbindung. Vom Stellenangebot der Kreispolizeibehörde erfuhr sie während einer Integrationsmaßnahme im Berufsförderungswerk Düren, wo sie bereits die Ausbildung zur Telefonistin absolviert hatte. Ihr zweiter Aufenthalt im BFW blieb daher nur eine Stippvisite. Sie bewarb sich  und erhielt die Stelle. Beide Seiten sind voll zufrieden: Fahriye Delen bekam den passenden Arbeitsplatz und die Polizei eine zuverlässige Mitarbeiterin. 

Lippek Porträtansicht

Sprint hingelegt

"Als sich Lars Lippek bei uns bewarb, war ich zunächst gespannt. Wie sollte jemand völlig ohne Augenlicht am Rechner arbeiten können? ", sagt U. Schieritz, Teammanager It-Infratructure bei der Firma IT-Consult Halle GmbH. Unmittelbar im Anschluss an seine Ausbildung zum IT-Kaufmann am BFW Halle, ist der 21-jährige Geburtsblinde nun unbefristetes Teammitglied und Betreuer im technischen Support. Mit Braillezeile, Scanner, einem Spezialhandy sowie einem Diktiergerät, welche durch die Arbeitsagentur finanziert werden, bringt er sich voll ein. Nebenher bleibt dem Sprinter im erweiterten Kader der Paralympics 2008 noch genug Zeit zum Training. Sportliches Ziel ist nach einer verletzungsbedingten Pause wieder in den Nationalmannschaftskader aufgenommen zu werden.

Drazen Tolic am neuen Arbeitsplatz

Berufliche Punktlandung

Drazen Tolic hat im wahrsten Sinne des Wortes eine „berufliche Punktlandung“ hingelegt. Nur wenige Stunden nach seinem Abschluss zum Zerspanungsmechaniker im BFW Würzburg stand der 31-Jährige 160 Kilometer weiter in Hockenheim bei seinem neuen Arbeitgeber „Reichert“ an der CNC-Maschine, wo er nun an der Herstellung von hochwertigen Präzisionswerkzeugen beteiligt ist. Qualität, Zuverlässigkeit und Flexibilität sind die Wettbewerbsvorteile des renommierten Familienunternehmens – zu denen Drazen Tolic wie jeder andere Mitarbeiter beiträgt. „Die Seheinschränkung von Drazen Tolic ist im Arbeitsalltag kaum zu bemerken“, sagen die beiden Firmenchefs Michael und Jürgen Reichert. Und auch Drazen Tolic ist zufrieden: „Dass ich so schnell wieder eine Stelle finde, hätte ich nicht gedacht.“

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