Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Gelungener Neustart

Berufliche Reha ebnete Nadine Beier nach ihrer Augenerkrankung den Weg in eine neue Zukunft

Menschen, die im Laufe des Berufslebens erblinden – aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls – sind großen psychischen Belastungen ausgesetzt. Das Leben muss umgestellt, Blindentechniken müssen neu erlernt werden. Und manchmal ist auch eine neue berufliche Orientierung notwendig.

Als Nadine Beier mit Anfang 20 auf einmal schlechter sah, führte sie das auf den Stress im Job zurück: „Klarer Fall von Überanstrengung“, dachte sich die gelernte Zahnarzthelferin zunächst. „Doch als sich meine Sehkraft trotz Brille, die der Arzt verschrieb, immer weiter verringerte, war mir klar, dass da mehr hinter steckt.“ Ein Verdacht, der sich bestätigte – Retinitis Pigmentosa lautete die Diagnose. Ein Gendefekt, bei dem die Zellen im Augenhintergrund betroffen sind: Nadine Beier verlor mehr und mehr ihre Sehkraft.

Die Erkrankung bedeutete auch für ihren Beruf das Aus: Gerade einmal mit Ende 20 musste Nadine Beier ihren Job als Zahnarzthelferin aufgeben. Zu der ohnehin schon schweren Situation der zunehmenden Erblindung kam nun auch noch die Angst um die berufliche Zukunft hinzu: „Ich wusste überhaupt nicht, wie es weiter gehen soll und sah mich schon als Blinde in einer Werkstatt Körbe flechten“, erinnert sie sich. Erst eine Beratung bei der Agentur für Arbeit brachte die Wende. Hier erfuhr sie von der Möglichkeit der beruflichen Rehabilitation und von den Berufsförderungswerken (BFW), insbesondere von den vier Spezialeinrichtungen für Menschen mit Seheinschränkungen: „Ich war überrascht, dass es so viele verschiedene Berufe für Blinde und Sehbehinderte gibt.“ Während einer zweiwöchigen Arbeitserprobung im BFW Düren orientierte sich die junge Frau beruflich völlig neu: Das Berufsbild des Physiotherapeuten interessierte sie auf Anhieb.

Neue Hoffnung durch Ausbildung

Zum ersten Mal nach langer Zeit hatte die heute 35-Jährige wieder Hoffnung: „Im Kreis von Gleichgesinnten, von Menschen, die genau nachfühlen können wie es mir geht, habe ich erkannt, dass auf jeden Fall Perspektiven für mich gibt“, erklärt sie. Und sie nahm ihr Leben wieder in die Hand: Nach einer Grundreha, in der sie spezielle Blindentechniken wie die Braille-Schrift erlernte, wurde die mittlerweile fast blinde Frau im BFW Mainz zur Physiotherapeutin umgeschult. „Ich habe eine zweite Chance erhalten“, sagt sie. Die hat sie nicht nur angenommen, sie nahm sie auch sehr ernst und beendete nach drei Jahren die Ausbildung mit Erfolg. Heute steht Nadine Beier wieder voll im Berufsleben – in einer Praxis in ihrer norddeutschen Heimat Tostedt arbeitet sie als Physiotherapeutin. „Es war kein leichter Weg bis hierhin“, sagt sie rückblickend, „denn ich musste nicht nur einen Beruf, sondern quasi das Leben neu erlernen.“

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