Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Markus Ertl am Arbeitsplatz

Nicht zu bremsen

Zukunftspläne für ein Leben ohne Augenlicht

Dass er aufgrund einer Augenerkrankung irgendwann erblinden würde, war Markus Ertl seit Kindheitstagen klar. Dieses Wissen nutzte er als Chance und bereitete sich auf sein Leben ohne Augenlicht vor. Eine Entscheidung, die ihm zugute kam.

Banklehre, Sparkassenfachwirt und später der Abschluss zum Sparkassenbetriebswirt – eine leitende Position ließ da nicht lange auf sich warten. Markus Ertl ist aber nicht nur immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen, sondern auch Stratege: „Die Zeit, in der ich noch sehen konnte, wollte ich so gut es geht nutzen. So konnte ich mich auf den Tag X vorbereiten, an dem mein Augenlicht ganz verschwindet.”

2012 merkte er, wie ihn seine angeborene Seheinschränkung zunehmend bei seinen Arbeitsaufgaben behinderte. Texte am Computer zu lesen, wurde mehr und mehr zur Mammutaufgabe. „Ich habe innerbetrieblich signalisiert, dass ich Unterstützung brauche und den Integrationsfachdienst kontaktiert.” Um seinen Arbeitsplatz zu erhalten, sollte dieser mit entsprechenden Hilfsmitteln angepasst werden. Doch ein internes EDV-System machte ihm einen Strich durch die Rechnung: „Das Programm ist für Blinde nicht nutzbar. Damit war mein Tag X gekommen.”

Unterstützung angenommen
Der Familienvater beantragte Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, um mit Unterstützung des BFW Würzburg seinen Arbeitsplatz in der Sparkasse zu sichern. Zusammen mit seinem Arbeitgeber wurde ein Integrationskonzept entwickelt, mit dem er an einem anderen Arbeitsplatz im Unternehmen auch ohne Augenlicht einsatzfähig ist. Zwar wechselte er innerhalb des Betriebes an einen anderen Standort, aber einen Umzug aus seiner gewohnten Umgebung bedeutete das zum Glück nicht. Auch hier hatte er vorgesorgt: „Als wir vor zehn Jahren unser Haus gebaut haben, haben wir einen Standort gewählt, von dem ich gut zur Bahn komme. So bleibe ich weiterhin selbstständig.”

Im BFW lernte er zuerst, sich mit dem Langstock zu orientieren, trainierte die Blindenschrift und den blindentechnischen Umgang mit Computerprogrammen, bevor ihm vor Ort sein neuer Arbeitsplatz in der Personalentwicklung blindentechnisch eingerichtet wurde. „Viele Dinge konnten speziell für mich eingestellt werden, weil ich genau wusste, was mein neuer Arbeitsplatz fordert.” Dazu bekam er im BFW eine für ihn maßgeschneiderte Schulung im blindentechnischen Umgang mit Powerpoint. Präsentationen am Computer zu erstellen und Seminare zu halten, das erledigt er heute mit links. „Ich habe schon immer sehr strukturiert gearbeitet. Dieses Wissen um Ordnungsprinzipien erleichtert mir heute meine Arbeit.”

Stärken ausbauen
Seine Wochenenden im vergangenen Jahr nutzte der 43-Jährige und ließ sich zum Wirtschaftsmediator ausbilden. „Im Lehrgang habe ich viel für meine Arbeit gelernt, aber auch viel über mich selbst. Meine vermeintliche Schwäche, die Blindheit, mache ich jetzt zu meiner Stärke, weil ich mich auf meinen Hörsinn konzentriere.” 

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