Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Bernd Drolshagen am Arbeitsplatz.

Ich habe zehn Augen

Blindheit ist kein Handicap für den Beruf

„Meine Krankheit ist kein Hindernis, sondern ein Antrieb”, sagt Bernd Drolshagen. Der 44-Jährige ist durch die angeborene Augenerkrankung Retinopathia pigmentosa, eine schleichende Netzhautdegeneration, vollständig erblindet. Und steht damit mitten im Leben.

Auch wenn Bernd Drolshagen heute gelassen klingt, wenn er über seine Blindheit spricht, leicht war der Weg für ihn nicht: „Ich habe mich sehr lange sehr schwer damit getan, meine Krankheit anzunehmen”, erzählt er rückblickend. „Gerade in meiner Jugend habe ich mich oft dafür geschämt, weil ich nicht anders sein wollte als meine Schulfreunde.” In einer Zeit, in der Inklusion noch lange kein Thema war, besuchte der gebürtige Westfale eine normale Realschule – eine Zeit, die ihn nachhaltig geprägt hat: „Ich habe mich ganz schön durchkämpfen müssen, aber auch gelernt, mich nicht ausbremsen zu lassen.”

Nach dem Schulabschluss machte er eine Schreinerlehre, um seinen Traumberuf Restaurator zu verwirklichen, aber die fortschreitende Netzhautdegeneration zwang Bernd Drolshagen, nach der Gesellenprüfung einen anderen Berufsweg einzuschlagen. „Auch wenn es hart war, so musste ich mir doch eingestehen, dass dieser Job nicht mit meiner schwindenden Sehkraft zu vereinbaren ist,” erinnert er sich. „In dieser Zeit habe ich eigentlich erst wirklich akzeptiert, dass die Krankheit ein Teil meines Lebens ist und angefangen, das Beste aus der Situation zu machen.” Er trainierte den Umgang mit dem Langstock, den er lange abgelehnt hat: „Für mich war er ein Stigma, ein offensichtliches Zeichen meiner Behinderung”, sagt er, „erst im Training ist mir klar geworden, dass mich der Stock nicht behindert, sondern mir viel Freiheit gibt.” Auch beruflich machte er sich auf den Weg: Über das Arbeitsamt erfuhr er von den Möglichkeiten der beruflichen Rehabilitation und stellte im Berufsförderungswerk Mainz die Weichen ganz neu: Eine Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister legte den Grundstein für die berufliche Zukunft. Mehr als 20 Jahre ist das mittlerweile her und bis heute ist er als Therapeut und Betriebsrat im Gesundheits- und Pflegezentrum in Rüsselsheim tätig. „Etwas Besseres hätte mir nicht passieren können”, zieht er Bilanz: „Ich liebe meinen Beruf und ohne meine Augenerkrankung wäre ich diesen Weg nie gegangen.”

Patienten begreifen
Heute ist Bernd Drolshagen vollständig erblindet, für seinen Beruf ist das aber kein Handicap. Im Gegenteil, die Blindheit empfindet er sogar als Vorteil: „Mir fehlt das Augenlicht nicht, als Therapeut arbeite ich schließlich primär mit den Händen”, sagt er. „Als blinder Mensch bin ich vielleicht sogar besonders prädestiniert für diesen Beruf, da mein Tastsinn deutlich geschärft ist und ich so mehr Tiefenempfinden für die Muskulatur habe. Ich habe mit meinen Fingern sozusagen zehn Augen, mit denen ich den Patienten begreife.”

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