Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Jessica Mohr auf der Modenschau mit blinden Teilnehmern

Kein Selbstmitleid

Jessica Mohr steht selbstbewusst im Leben

Mit 16 Jahren erfährt Jessica Mohr, dass sie langsam erblinden wird. Aber das hält sie nicht davon ab, zu studieren und beruflich voll durchzustarten.

Ganz plötzlich steht da diese Diagnose im Raum: Retinitis pigmentosa. Als Jessica Mohr erfährt, dass sie langsam erblinden wird, ist sie erst mal geschockt. Aus Angst vor den Reaktionen der anderen spricht das junge Mädchen nicht offen über die Erkrankung: „In dem Alter möchte man einfach nur so sein wie alle anderen auch.“ Unterstützung findet sie beim Berufsförderungswerk Halle: Die Experten des Bildungsdienstleisters für Blinde und Sehbehinderte beraten die angehende Abiturientin über Möglichkeiten, berufliche Perspektiven und bei der Studienwahl: „Hier habe mich zum ersten Mal durch meine Erkrankung „behindert“ gefühlt, weil schnell klar war, dass ich meinen Traumberuf Lehrer oder Dolmetscher abschreiben kann.“ Aber die Magdeburgerin vergräbt sich nicht im Selbstmitleid – und studiert stattdessen Internationales Management. Weil die Krankenkasse ihre gesetzliche Versorgungspflicht abstreitet, muss sie im Studium ohne Hilfsmittel zu Recht kommen: „Leicht war das nicht, aber ich habe es geschafft.“

Enge Zusammenarbeit zwischen Schwerbehindertenbeauftragten und BFW

Heute steht Jessica Mohr als Dozentin an der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität mit beiden Beinen fest im Beruf und meistert die täglichen Herausforderungen mit Bravour – auch mit wenig Sehfähigkeit. „Hier ist der enge Kontakt zur Schwerbehindertenbeauftragten der Uni eine große Hilfe für mich“, erklärt Jessica Mohr. Sie sorgt gemeinsam mit der Arbeitsagentur und dem BFW Halle dafür, dass spezielle Hilfsmittel und Schulungsmaßnahmen, wie beispielsweise das Erlernen der Brailleschrift, den Arbeitsalltag erleichtern. Ihr Handicap verheimlicht sie heute nicht mehr – ganz selbstverständlich benutzt sie einen Langstock, wenn es nötig ist. „Das ist eine enorme Erleichterung, sich nicht mehr zu verstecken“, sagt sie. „Und die Kollegen und Studenten reagieren auch ganz normal auf mich, weil sie mich nie anders kennengelernt haben.“ Berührungsängsten und Vorurteilen begegnet die 29-Jährige ganz offensiv, zum Beispiel beim Thema Mode: „Es ist ein absolutes Klischee, dass sich Blinde nicht für Mode interessieren“, betont sie. Dass Mode und Schönheit auch für Blinde eine Rolle spielt, hat sie bei einer Modenschau von Blinden für Blinde, eine Kooperation des Fotografen Karsten Hein und dem BFW Halle, unter Beweis gestellt: „Das war eine hautnahe Erfahrung – wir waren nämlich Models und Publikum zugleich, sind sprichwörtlich auf Tuchfühlung gegangen, um die Kleider und die eingestickten Brailledrucke zu ertasten.“ Aus der Dokumentation der Modenschau ist eine Ausstellung entstanden: „Ich finde, das ist ein schöner Weg, um sehenden Menschen die Unsicherheiten uns gegenüber nehmen, ins Gespräch zu kommen“, erklärt Jessica Mohr. „Denn hier steht nicht die Behinderung im Fokus, sondern die Mode, die Sehende und nicht Sehende miteinander verbindet.“ 

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