Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Sven Petit am Schreibtisch.

Neue Wege

Große Pläne für die Zukunft

Erst beim obligatorischen Sehtest für den Führerschein fiel auf, dass sein Sehvermögen stark eingeschränkt war: Eine Diagnose, mit der Sven Petit sein Leben neu in die Hand nehmen musste.

„Ich dachte immer, dass mich nichts in der Welt aus der Bahn werfen könnte“, sagt Sven Petit rückblickend. Der Sehtest für seinen Führerschein änderte diese Einstellung von einem Tag auf den anderen. Was als schleichender Prozess in Folge von Diabetes begonnen hatte, verschlechterte sich dann, so sehr, dass er innerhalb kürzester Zeit seinen Beruf im Einzelhandel nicht mehr bewältigen konnte. Auch mehrere Augenoperationen konnten seine Sehkraft nicht wiederherstellen. „Mit 26 Jahren war ich eindeutig zu jung für die Rente. Nach einem ersten Tiefpunkt habe ich eingesehen, dass es nicht hilft, den Kopf in den Sand zu stecken“, sagt er.

Herausforderungen gemeistert
Mit neuer Motivation und viel Selbstdisziplin arbeitete er an seiner Perspektive: „Selbst Alltägliches musste ich trainieren. Anfangs war es für mich zum Beispiel schwierig, eine Tasse Kaffee einzugießen. Das habe ich so lange wiederholt, bis es mir gelungen ist“, sagt er schmunzelnd. Beruflich fand er neue Orientierung mit Unterstützung des Berufsförderungswerkes Halle (Saale). Im BFW wurde er vom Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben bei der Rentenversicherung bis hin zum fertigen Abschluss seiner Ausbildung individuell betreut und beraten. Bei einer Berufsfindung im BFW Halle (Saale) wurden seine Fähigkeiten und Neigungen erprobt – mit dem Ergebnis, dass er als Verwaltungsfachangestellter gut geeignet ist. „Zunächst dachte ich, dass ich in meinem neuen Beruf den ganzen Tag hinter dem Schreibtisch verbringen werde. Meine Befürchtung hat sich zum Glück nicht bewahrheitet“, sagt der gebürtige Franzose. „Ich prüfe mithilfe eines Lesegerätes nicht nur Urkunden und Rechnungen, sondern habe in meinen Sprechstunden auch direkten Kontakt mit den Bürgern. Die Beratung von Kunden hat mir früher im Einzelhandel schon sehr viel Spaß gemacht“, schwärmt er. In der Urkundenstelle des Standesamtes Berlin Spandau merkte er schnell, wie abwechslungsreich sein neues Aufgabengebiet ist.

Während er seine praktische Ausbildung in der Stadtverwaltung absolvierte, nahm er am Theorieunterricht im BFW Halle (Saale) teil und bereitete sich auf seine Abschlussprüfung vor.

Eine feste Basis aufgebaut
Nach zwei Ausbildungsjahren war für ihn die Arbeit im Öffentlichen Dienst nicht mehr wegzudenken. Schon als Praktikant hat er sich im Standesamt von Anfang an wie zuhause gefühlt. Die Bewerbung auf eine feste Stelle war für ihn also nur die logische Konsequenz und diese Chance hat er bekommen: „Eheschließungen darf ich als Festangestellter noch nicht durchführen, dazu ist erst eine Ausbildung zum Standesbeamten nötig. Die habe ich schon fest eingeplant“, sagt der heute 31-Jährige stolz.

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