Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Juliane Ziebarth auf ihrem Skateboard

Nicht zu bremsen

Nach Umschulung arbeitet Juliane Ziebarth heute als Verwaltungsfachangestellte

„Irgendwann konnte ich nicht mehr mit Sicherheit sagen, ob die Kinder nur Blätter pflücken oder Vogelbeeren essen”, sagt Juliane Ziebarth. „Da war für mich klar: Als Heilerzieherin kannst du nicht mehr arbeiten.” Aufgeben war das allerdings nicht. Ganz im Gegenteil.

Die heute 32-Jährige, der eine Makuladegeneration weniger als zehn Prozent Sehkraft lässt, hat einfach verantwortungsvoll gehandelt. Nichtsdestotrotz stand sie erst einmal vor dem „Aus” ihrer beruflichen Existenz und wandte sich an die Arbeitsagentur. Dort hatte sie Glück: Ihr Sachbearbeiter hat nicht nur die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) genehmigt, sondern ihr auch viel Zeit eingeräumt, um vor der Umschulung im Berufsförderungswerk (BFW) Halle das private Umfeld so zu organisieren, dass sie guten Gewissens ins Internat ziehen konnte. „Denn zu Hause wartete mein Sohn Jonathan, heute 8 Jahre alt, der mit angeborenem Autismus entsprechend betreuungsintensiv ist.”

Als Familie gemeistert
Doch hier wurde aus der Not eine Tugend gemacht: „Wir haben das als gesamte Familie gemeistert. Mein Mann hat für die zwei Jahre Umschulung sein Arbeitspensum reduziert, unsere Eltern und auch viele Freunde haben uns geholfen.” Damit war die erste Hürde genommen, doch die nächsten warteten schon – und Juliane Ziebarth war fast froh darüber. „Im BFW wird einem vieles leicht gemacht. Essen wird in der Mensa gereicht, nach dem Unterricht sind die Internatszimmer schon gereinigt und so weiter. Doch wenn ich nach Hause gefahren bin und am Berliner Hauptbahnhof den umgeleiteten Anschlusszug gesucht habe, war ich wieder auf mich allein gestellt. Deswegen habe ich es mir im BFW nie zu gemütlich gemacht und Ausflüge ins Kino mit unserem Lehrgang und weitere Kontakte mit der ,Außenwelt‘ organisiert”, sagt eine Frau, die trotz Seheinschränkung Longboard fährt. „Alles im gesicherten Rahmen”, versichert sie. „Ich gehe keine unnötigen Risiken ein.”

Normaler Arbeitsalltag
Kaum hatte sie die Umschulung zur Verwaltungsfachangestellten abgeschlossen, fand sie eine Anstellung beim Kriminalkommissariat in Neubrandenburg. Dank passender Hilfsmittel kann sie alle anfallenden Aufgaben bearbeiten. Der Umgang mit den Kollegen war am Anfang etwas schwierig, weil viele gar nicht wussten, dass sie eine Seheinschränkung hat: „Aber es ist Normalität geworden, dass die Kollegen ein schwer erkennbares Tatortfoto unter meine Lesehilfe legen – oder die Kolleginnen ihre lackierten Nägel darunter überprüfen”, lacht sie.

Fragen zu beruflicher Reha?
Nutzen Sie unsere kostenlose
Hotline 0800 - 60 60 224
hotline