Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Nicole Zehm im Portrait

Verantwortung für Zwei

Alleinerziehende Mutter meistert ihren Weg trotz Seheinschränkung

Nicole Zehm hat gerade ihre Tochter zur Welt gebracht, als sich ihr Leben von einem auf den anderen Tag verändert – plötzlich verliert sie immer weiter ihr Augenlicht. Eine ganz besondere Herausforderung für die alleinerziehende Mutter.

Nicole Zehm ist schwanger, als bei ihr infolge einer Zuckerkrankheit ganz unerwartet Netzhautveränderungen festgestellt werden, die sogenannte Diabetische Retinopathie. Die Diagnose, immer weiter das Augenlicht zu verlieren, war für die werdende Mutter ein Schock: „Nach der Geburt meiner Tochter ging es dann Knall auf Fall und plötzlich habe ich auf einem Auge nichts mehr gesehen“, erzählt die 35-Jährige. Für alle Eltern ist der Alltag mit einem kleinen Kind eine Herausforderung, doch die frischgebackene Mutter musste selbst die alltäglichen Dinge neu lernen: „Das fing schon bei der Zubereitung der Milchflasche an. Ich konnte den Wasserstand nicht mehr ablesen.“ Auch beruflich war ihr schnell klar, dass sie nicht mehr als Gärtnerin arbeiten kann. Aber in Frührente zu gehen, war für Nicole Zehm keine Alternative: „Meine Tochter sollte sehen, dass ich nicht immer nur Zuhause bin.“ Im Blindenverein erfuhr sie von den Qualifizierungsmöglichkeiten der BFW und begann im BFW Düren eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation. Anfangs fiel es ihr noch schwer, sich nach ihrem handwerklichen Beruf an einen Bürojob zu gewöhnen. Doch ein Praktikum beim Amtsgericht Düren zeigte ihr, wie abwechslungsreich ihre künftige Tätigkeit sein kann.

Während Nicole Zehm die Schulbank drückt, ist ihre Tochter im Kindergarten gut aufgehoben. Ihre Freizeit verbringen die beiden am liebsten auf dem Spielplatz. Aber auch Zuhause sind die beiden ein starkes Team: „Meine Tochter ist mir eine große Hilfe und zeigt mir Dinge, die ich nicht sehe.“ Diese Hilfsbereitschaft beruht auf Gegenseitigkeit, denn Nicole Zehm legt viel Wert auf ihre Verantwortung als Mutter und dazu gehören auch Kleinigkeiten: „Wenn meine Tochter ein rotes Kleid und lila Schuhe anziehen möchte, sage ich ihr, dass diese Farben nicht zusammen passen.“ Viel wichtiger bei der Auswahl der richtigen Kleidung ist für Nicole Zehm aber, dass ihre Tochter kontrastreich gekleidet ist, damit sie die Fünfjährige auch in Menschenmengen gut erkennen kann.

„Viele Menschen können sich kaum vorstellen, dass ich es schaffe, als Alleinerziehende Kind, Schule und Lernen unter einen Hut zu bringen“, berichtet sie. Das ist eine große Verantwortung, die für Nicole Zehm jeden Tag aufs Neue der Ansporn ist, ihren berufl ichen Weg gemeinsam mit ihrer Tochter weiter zu gehen.

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