Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Silke Grundmann und Tochter Andrea Grundmann am Arbeitsplatz

Ziel erreicht

Erfolgreich angekommen noch einer Weiterbildung im BFW

Silke Grundmann ist genau da angekommen, wo sie immer hin wollte: Nach vielen Jahren im Berufsleben setzte die nahezu blinde Physiotherapeutin beruflich noch mal „eins drauf“ – mit einer Weiterbildung zur Osteopathin im Berufsförderungswerk (BFW) Mainz. „Das war kein leichter Weg“, sagt sie rückblickend über die anspruchsvolle, berufsbegleitende Zusatzqualifizierung, für die sie fünf Jahre lang zwischen Berufsalltag in Berlin und Unterrichtszeit in Mainz hin- und herpendelte. Aber er hat sich gelohnt: „Ich habe mein gesetztes Ziel erreicht.“

Manualtherapie, neurologische Kran­kengymnastik, Rückenschule – von Anfang an zieht sich eine konsequente Weiterbildung wie ein roter Faden durch das Berufsleben von Silke Grundmann: „Ich will mich einfach immer weiterentwickeln“, sagt die 52-Jährige, der die Berufswahl schon in die Wiege gelegt wurde. „Da ich aus einer Medizinerfamilie komme, stand für mich immer fest, dass es in diese Richtung geht.“ Doch der Traum des Medizinstudiums platzt nach der Erblindung des linken Auges und Silke Grundmann schlägt einen anderen Weg ein – sie wird Physiotherapeutin. „Im Hinblick auf den Verlust des Sehvermögens habe ich genau den richtigen Beruf gewählt. Als Ärztin hätte ich als Halbblinde nicht weiter arbeiten können“, erklärt sie ganz nüchtern und pragmatisch. „Es mag komisch klingen, aber für die Arbeit mit meinen Händen konnte mir fast nichts Besseres passieren: Man muss dabei wirklich lernen, die Finger sehen zu lassen.“

Familiäres Arbeitsklima
Nach der Qualifizierung zur Osteopathin, die finanziell durch das Integra­tionsamt gefördert wurde, nimmt Silke Grundmann die nächste Herausforderung an: „So eine lange und intensive Ausbildung verändert den Menschen. Das habe ich auch an mir festgestellt und mich entschieden, etwas Neues zu beginnen.“ Also bewirbt sie sich für die Leitung der Physiotherapeutischen Praxis des BFW Mainz und führt nun seit 2013 die Praxis im Berliner Regierungsviertel, in der wortwörtlich ein familiäres Betriebsklima herrscht: Hand in Hand arbeitet sie mit ihrer Tochter Andrea, die mit einer Ausbildung zur Masseurin und Medizinischen Bademeisterin im BFW Mainz – auch Normalsehende können dort Aus- und Weiterbildungen in Anspruch nehmen – in die beruflichen Fußstapfen der Mutter getreten ist. „Im Praxisalltag ist nicht wichtig, dass wir Mutter und Tochter sind. Wir sind Kollegen, die auf Augenhöhe zusammenarbeiten.“

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