Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Sven Lotter auf dem Fußballplatz

Zurück im Spiel

Sven Lotter greift nach Erblindung wieder voll an

Ob als Fußballspieler, Arbeitnehmer oder Familienvater: Sven Lotter hat sich nie ins Abseits stellen lassen. Er hat zwar nicht einmal zwei Prozent Sehkraft, lebt aber trotzdem ein selbstbestimmtes Leben, ohne auf etwas verzichten zu müssen. 

Sven Lotter hat seit seiner Kindheit nur noch einen geringen Sehrest auf dem linken Auge. „Das hat mich aber nicht daran gehindert, eine Ausbildung zum Autoelektriker zu machen und anschließend 21 Jahre in dem Beruf zu arbeiten.“ War auch alles kein Problem – bis er 2009 an der Netzhaut des rechten Auges erkrankte. Der Arzt stellte ein Restsehvermögen von 60 Prozent fest. Andere wären vielleicht verzweifelt, Sven Lotter ist mit einer Lupe ausgerüstet wieder arbeiten gegangen und hat sich in die Autos gebeugt. „Das war unheimlich anstrengend. Kurze Zeit später musste ich mir eingestehen: Es geht nicht mehr!“ Tatsächlich hatte sich da sein Sehvermögen schon auf 40 Prozent reduziert. Heute sind es nur noch zwei Prozent.

Deswegen hat er einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben bei der Deutschen Rentenversicherung gestellt und bewilligt bekommen. Der erste Schritt war die „Blindentechnische Grundrehabilitation“: Dort lernte er, wie er Computer und Handy mit Sprachausgabe nutzt, eignete sich die Brailleschrift an, gewann Sicherheit im Umgang mit dem Langstock, um nur einige der Alltagsübungen zu nennen, die ihm Selbstständigkeit zurückgegeben haben. „Das war eine schwierige Phase. Geduld zählt nicht zu meinen Stärken und zu Anfang braucht man davon eine ganze Menge. Aber je mehr Selbstständigkeit ich zurückgewonnen hatte, desto optimistischer wurde ich und habe mich dann für die anspruchsvolle Qualifizierung im BFW Würzburg entschieden.“ Dort wurde er zum Verwaltungsfachangestellten ausgebildet und fand noch im Jahr seines Abschlusses eine Anstellung bei der Bundespolizei in Würzburg. „Ein Traumjob! Die Kameradschaft ist groß.“

Teamgeist hatte er schon zu BFW-Zeiten erlebt. „Ich habe mein Leben lang Fußball gespielt. Ich war also sehr froh, als ich von der Trainingsgruppe des Blindenfußballvereins VSV/BFW Würzburg erfahren habe.“ Mittlerweile ist er aus der Abwehr des Bundesligisten nicht mehr wegzudenken. „Wieder über den Platz zu rennen, Stürmer aufzuhalten, Bälle zu spielen – das ist für mich Freiheit. Und hat außerdem meinen Orientierungssinn geschärft, da ich mich dort tatsächlich nur auf meine Ohren verlasse.“ Sven Lotter ist heute in allen Facetten seines Lebens wieder zurück im Spiel: „Arbeit, Fußball, im Urlaub gehe ich mit der Familie campen, erst kürzlich habe ich unsere Terrasse überdacht: Es ist erstaunlich, wie viel wieder möglich ist.“

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