Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Anette Kramme im Portrait

Fachanwältin Anette Kramme

Rechtsexpertin Anette Kramme beantwortet Fragen zur beruflichen Rehabilitation

Wenn die Sehkraft im Laufe des Berufslebens nachlässt oder schwindet, ist das für Betroffene ein erheblicher Einschnitt in ihr berufliches Leben – im schlimmsten Fall bedeutet dies das „Aus“ für den erlernten Beruf. Wie diese Menschen ihren Weg zurück in den Arbeitsmarkt finden können, erklärt Anette Kramme, Fachanwältin für Arbeitsrecht und parlamentarische Staatssekretärin bei Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles im Interview mit VISIO-N.

Eine Sehbehinderung kann Menschen schnell ins berufliche Abseits stellen. Haben Betroffene besondere Rechte, um wieder ins Arbeitsleben integriert zu werden?

Den Betroffenen steht ein umfangreiches und differenziertes Spektrum arbeitsmarktpolitischer Leistungen zur Verfügung. Hinsichtlich der besonderen behindertenspezifischen Leistungen besteht bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen ein Rechtsanspruch. Hier kommen zum Beispiel Leistungen der blindentechnischen Grundausbildung, die Förderung der beruflichen Bildung oder auch die Finanzierung einer Arbeitsassistenz zur Unterstützung bei den anfallenden Arbeiten in Betracht. Der Antrag ist beim zuständigen Rehabilitationsträger zu stellen. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie dazu auch unter: www.einfach-teilhaben.de. Diese Internetseite ist barrierefrei, was bedeutet, dass eine Audioversion zur Verfügung steht.

Wie sehen Maßnahmen aus, die Menschen, die durch Krankheit oder Behinderung von Arbeitslosigkeit bedroht sind, den Weg zurück in den Beruf ebnen sollen?

Grundsätzlich kann man sagen, dass diese Maßnahmen oder Maßnahme- ketten bunt aussehen. So vielfältig, wie die Biografien der Betroffenen sind, so individuell können die Maßnahmen aussehen. Dazu gehören z. B. auch individuell an den Bedarf des Einzelnen angepasste Aus- und Weiterbildungen in Berufsförderungswerken. Die einzelnen Rehabilitationsträger beraten den Betroffenen im Einzelfall und ermitteln mit ihm den eigenen Bedarf.

Wie und vor allem wo erhalten Betroffene diese vom Gesetzgeber geschaffenen Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben?

Die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben können bei den zuständigen Rehabilitationsträgern beantragt werden. Dies ist in der Regel der zuständige Träger der Rentenversicherung, sofern die persönlichen (gesundheitlichen) und versicherungsrechtlichen Voraussetzungen vorliegen, oder die Bundesagentur für Arbeit. Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben können auch bei den Gemeinsamen Servicestellen beantragt werden. Im Rahmen der Gesetzgebung zum Sozialgesetzbuch Neuntes Buch (SGB IX) – Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen – wurden bundesweit Gemeinsame Servicestellen vor Ort eingerichtet. Ihre Aufgabe: Behinderte oder von Behinderung bedrohte Menschen sowie ihre Vertrauenspersonen finden hier schnell und unbürokratisch Beratung und Unterstützung. Die Gemeinsamen Servicestellen informieren über die Leistungsvoraussetzungen und Leistungen der Rehabilitationsträger und klären den persönlichen Bedarf an Rehabilitationsleistungen. Nähere Informationen finden Sie unter: www.reha-servicestellen.de.

Nicht selten werden Anträge vom Träger abgelehnt. Was raten Sie Betroffenen in diesem Fall?

Soweit der Rehabilitationsträger einen Antrag auf berufliche Rehabilitation ablehnt, kann der Mensch mit Behinderungen zunächst Widerspruch beim Leistungsträger einlegen. Es empfiehlt sich, diesen zu begründen. Sollte auch der Widerspruch erfolglos bleiben, besteht die Möglichkeit, Klage beim zuständigen Sozialgericht einzulegen.

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