Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Christoph Beyer im Portrait

Jurist Christoph Beyer

Christoph Beyer beantwortet Fragen von Betroffenen

Als Leiter des Integrationsamtes des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) setzt sich Jurist Christoph Beyer für die Rechte von Menschen mit Behinderung ein. Er beantwortet Fragen zum Rechtsanspruch auf Leistungen der beruflichen Rehabilitation.

Thomas Pfeiffer (51) aus München: Durch einen Unfall bin ich auf einem Auge erblindet. In der Druckerei kann ich nicht mehr arbeiten. Muss ich nun in Rente gehen?
Nein, in Rente gehen müssen Sie nicht. Die Gesetzgebung hat für diesen Fall Unterstützungsangebote im Rahmen einer beruflicher Reha geschaffen. Mit dem Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeits-leben (LTA) können Sie zum Beispiel Hilfsmittel für Ihren Arbeitsplatz oder eine Qualifizierung beantragen. Beides ist theoretisch auch im bestehenden Betrieb möglich. Den Antrag auf LTA müssen Sie beim zuständigen Reha-Träger wie zum Beispiel der Deutschen Rentenversicherung oder der Agentur für Arbeit stellen. Die Experten von VISIO-N helfen Ihnen gerne beim Antrag.

Barbara Meindl (44) aus Rheine: Mein Antrag auf eine berufliche Reha wurde abgelehnt, weil ich laut meines Reha-Trägers noch in meinem Beruf arbeiten kann. Die Fachgutachten beurteilen das anders. Was kann ich jetzt tun?
Gegen den Bescheid des Reha-Trägers können und sollten Sie innerhalb einer Frist von einem Monat schriftlich Widerspruch einlegen. Ihre fachmedizinischen Gutachten der behandelnden Ärzte sind eine wichtige Grundlage, auf der Sie Ihre Begründung des Widerspruchs stützen sollten. Ich empfehle Ihnen, die Gutachten Ihrem Reha-Träger zur Prüfung zur Verfügung zu stellen.

Anton Hell (27) aus Bitburg: Während meiner Umschulung war ich mehrmals krank. Ich hatte immer einen Krankenschein, trotzdem habe ich Angst, dass meine Ausbildung abgebrochen wird.
Wenn Sie krankheitsbedingt ausfallen, kann eine Ausbildung oder Umschulung nicht ohne Weiteres abgebrochen oder vom BFW beziehungsweise vom Reha-Träger einseitig beendet werden. Im Gespäch mit allen Beteiligten muss überlegt werden, ob und wie Sie die Inhalte aufholen können.

Luisa Katz (22) aus Lünen: Mein Sehvermögen nimmt ab. Meine Ausbildung möchte ich gerne in einem BFW machen. Geht das auch ohne Vorberuf?
Im Regelfall übernehmen die Berufsförderungswerke (BFW) die beruflichen Reha-Maßnahmen zur Neuorientierung nach Krankheit oder Unfall zum Beispiel in Form von Umschulungen. Mittlerweile bieten viele BFW auch Programme für junge Menschen an. Setzen Sie sich am besten mit dem BFW vor Ort in Verbindung und klären im persönlichen Gespräch, welche Leistungen Sie in Anspruch nehmen können.

Martha Skolic (37) aus Velen: Ich mache mir Sorgen, da ich für eine Ausbildung im BFW wegen der Entfernung meinen Wohnort verlassen muss. Muss ich mir jetzt etwa eigenständig eine neue Wohnung suchen?
Für die Zeit Ihrer Ausbildung müssen Sie sich nicht um eine Zweitwohnung kümmern. Die BFW haben angeschlossene Internate, die Ihnen ein eigenes Zimmer zur Verfügung stellen. Manchmal gibt es auch wohnortnahe Ausbildungsmöglichkeiten in Kooperation mit einem Betrieb in Ihrer Nähe. Dann brauchen Sie Ihren Heimatort erst gar nicht zu verlassen.

Ansgar Ebner (30) aus Urbach: Muss ich meinen Arbeitsvertrag kündigen, wenn ich einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben stelle?
Nein, das sollten Sie auf keinen Fall tun. Eine Reha-Maßnahme kann auch während Ihres bestehenden Arbeitsverhältnisses durchgeführt werden. Das Arbeitsverhältnis ruht für diese Zeit. Nach erfolgreicher Reha ist eine Rückkehr an den alten oder an einen neuen Arbeitsplatz beim gleichen Arbeitgeber möglich. Diese Möglichkeit muss der Arbeitgeber bei bestehendem Arbeitsverhältnis zumindest prüfen.

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