Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Renate Reymann im Portrait

Präsidentin des DBSV Renate Reymann

Renate Reymann antwortet auf Fragen von Betroffenen

Als Präsidentin des Deutschen Blinden- und Sehbehinderten­verbandes (DBSV) und ehemalige Verwaltungsbeamtin im Landessozialministerium weiß Renate Reymann, wie Arbeitsplätze für Sehbehinderte erhalten werden können und kennt die Landschaft der Selbsthilfegruppen von A bis Z. In VISIO-N beantwortet sie die Fragen von Betroffenen.

Viola Feulner (37) aus Nürnberg: Ich habe wegen Diabetes nur noch 2 Prozent Sehrest auf dem linken Auge und kann nicht mehr als Zugbegleiterin arbeiten. Muss ich jetzt also mit 37 schon in Rente gehen?

Nein, auf keinen Fall! Wenn Menschen aufgrund einer Erkrankung oder eines Unfalls nicht mehr in ihren erlernten Beruf zurückkehren können, haben Sie ein Recht auf eine berufliche Rehabilitation, also darauf, über sogenannte Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) wieder arbeitsfähig zu werden. Einen Antrag auf LTA stellen Sie bei einem Rehabilitationsträger. Wer das ist, wie Sie den Antrag am besten stellen und ob Sie bei Ihrem Arbeitgeber bleiben können, zum Beispiel an einem Bildschirmarbeitsplatz, hängt immer vom individuellen Fall ab. Persönliche Beratung finden Sie entweder beim Team von VISIO-N oder einer Landesgruppe des Blinden- und Sehbehindertenvereins.

Kerstin Graue (21) aus Köln: Vor Kurzem bin ich bei einem Unfall ganz plötzlich erblindet. Mein Arbeitgeber will mich zwar mit Hilfsmitteln am Arbeitsplatz halten, aber wie soll ich nun zum Beispiel mit der Bahn zur Arbeit fahren? Ich komme ja noch nicht mal in meiner Wohnung zurecht!

Also, zunächst einmal ist das doch sehr positiv: Ihr Arbeitgeber möchte Sie halten! Ihre Frage beantworte ich am besten, indem ich Sie mit zwei Begriffen vertraut mache: Den Lebenspraktischen Fähigkeiten und dem Mobilitätstraining. Bei den Lebenspraktischen Fähigkeiten werden Sie dazu befähigt, Ihren Haushalt zu führen, also zum Beispiel die richtigen Gewürze zu finden, Wäsche zu sortieren usw. Das alles ist mit ein wenig Übung möglich. Sehen Sie mich an: Ich habe mit Ende 40 erst die Punktschrift gelernt und komme wunderbar im Alltag zurecht. Beim Mobilitätstraining wird Ihnen der Umgang mit Orientierungshilfen wie dem Langstock und öffentlichen Verkehrsmitteln beigebracht. Die Kosten dafür übernimmt in der Regel die Krankenkasse nach Antragstellung, auch hierbei helfen Ihnen die Landesblindenvereine.

Barbara Meyerhof (52) aus Hude: Wegen einer Netzhautdegeneration wird die Sehkraft meiner Sekretärin immer schwächer. Macht es überhaupt Sinn, Hilfsmittel für den Arbeitsplatz anzuschaffen, wo sich ihr Zustand doch kontinuierlich verändert?

Ich finde es toll, dass Sie sich solche Gedanken um Ihre Mitarbeiterin machen. Das ist nicht selbstverständlich, auch wenn es das sein sollte. Und ich kann sie beruhigen: Der Großteil der Kosten für Hilfsmittel wird in der Regel übernommen – zum Teil sogar die gesamten Kosten. Ihr erster Ansprechpartner ist das Integrationsamt der Arbeitsagentur. Gemeinsam mit den Mitarbeitern dort, eventuell dem behandelnden Augenarzt und Experten aus einem Berufsförderungswerk, und ihrer Sekretärin wird dann ein Hilfsmittelkonzept erstellt, das Ihnen ermöglicht, Ihre Mitarbeiterin zu halten.

Hasan Azemi (41) aus Hannover: Obwohl ich wegen meines Grünen Stars nicht mehr als Metzger arbeiten kann, wurde mein Antrag auf LTA abgelehnt. Was kann ich tun?

Wenn Sie den Ablehnungsbescheid erhalten, haben Sie vier Wochen Zeit, um einen Widerspruch einzulegen. Dieser sollte im Idealfall die Ablehnungsbegründung entkräften, jedoch ist es nicht jedermanns Sache, so ein Schreiben aufzusetzen. In der Regel reicht es, auf das Expertenteam von VISIO-N zurückzugreifen. Wer allerdings juristische Kompetenzen braucht, der ist bei der rbm GmbH (Rechte behinderter Menschen) an der richtigen Adresse.

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