Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Ulrike Mascher im Portrait

Präsidentin des VdK Ulrike Mascher

Ulrike Mascher antwortet auf Fragen von Betroffenen

Ulrike Mascher ist Präsidentin des Sozialverbandes VdK Deutschland und Landesvorsitzende des Sozialverbandes VdK Bayern, der seine Mitglieder zu sozialrechtlichen Fragen berät. Engagiert setzt sie sich seit vielen Jahren für soziale Gerechtigkeit ein. In dieser Ausgabe beantwortet Ulrike Mascher die Fragen der VISIO-N Leser.

Michael Rau (50) aus Hamm: Meine Augen werden aufgrund von Diabetes immer schlechter, sodass ich in der Druckerei nicht mehr arbeiten kann. Muss ich jetzt in Rente gehen?
Ganz klar: Nein! Die Tatsache, dass Sie wegen Ihrer Seheinschränkung Ihre Tätigkeit nicht mehr ausüben können, führt nicht zur Rente, denn es gilt der Grundatz „Reha vor Rente“. Bei Ihnen kann zunächst geprüft werden, ob Sie an einen anderen Arbeitsplatz versetzt werden können oder ob eine Maßnahme der beruflichen Rehabilitation in Frage kommt. Das können Hilfsmittel am Arbeitsplatz oder eine Qualifizierung sein, um Ihre Erwerbsfähigkeit zu erhalten, zu verbessern oder (wieder-)herzustellen. Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) können Sie bei einem Rehabilitationsträger wie der Deutschen Rentenversicherung oder der Agentur für Arbeit beantragen.

Saskia Naumann (32) aus Bonn: Ich möchte eine Ausbildung in einem Berufsförderungswerk machen, aber die Anfahrt ist zum Pendeln zu weit. Was nun?
Das ist eine Frage der Zumutbarkeit, über die Ihr Reha-Träger urteilen muss. Gemeinsam mit ihm ist abzuklären, ob für Sie eine Unterbringung im Internat des Berufsförderungswerks in Frage kommt, um Ihre lange Anfahrt zu umgehen.

Veit Zander (45) aus Nürnberg: Mein Antrag auf Leistungen zur Teilhabe wurde abgelehnt, obwohl ich in meinem gelernten Beruf nicht mehr arbeiten kann. Welche Möglichkeiten habe ich jetzt und wer unterstützt mich dabei?
Sie können und sollten innerhalb der Widerspruchsfrist von vier Wochen schriftlich Einspruch gegen Ihren LTA-Bescheid einlegen. Dafür ist eine ausführliche Begründung wichtig, bei der Sie der Sozialverband VdK (Experte beim Rechtsschutz im Sozialrecht), ein Rechtsanwalt für Sozialrecht oder die Experten der VISIO-N unterstützen können – und damit Ihre Erfolgsaussichten erhöhen.

Renate Seibel (55) aus Aurich: Ich leide an Makuladegeneration und habe mein ganzes Leben lang an der Kasse gearbeitet. Das geht mit meiner Seheinschränkung nicht mehr. Durch eine zweijährige Umschulung verliere ich zu viel Zeit. Gibt es Alternativen?
Eine Alternative zur Umschulung ist beispielsweise eine Weiterbildung oder Qualifizierung, die es Ihnen ermöglicht, beim Arbeitgeber auf einen anderen Arbeitsplatz versetzt zu werden oder für eine bestimmte Tätigkeit bei einem anderen Arbeitgeber qualifiziert. Grundsätzlich haben Sie Anspruch auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben nach Grundsatz § 33 SGB IX. Eine Altersbegrenzung gibt es hier nicht. Nach dem Prinzip „so normal wie möglich und so speziell wie nötig“ wird überprüft, ob in Ihrem Fall die Teilhabe am Arbeitsleben mit allgemeinen Leistungen erreicht werden kann oder ob besondere Maßnahmen in einer Einrichtung der beruflichen Rehabilitation wie zum Beispiel in einem Berufsförderungswerk erforderlich sind.

Ting Lee Wang (35) aus Berlin: Aufgrund eines Unfalls habe ich mein Augenlicht verloren und kann so in der Verwaltung nicht mehr arbeiten. Kann ich Teilhabeleistungen beantragen auch wenn ich erst seit fünf Jahren in Deutschland arbeite?
Ja, das ist möglich. Denn Ziel ist es, Ihre Teilhabe am Arbeitsleben möglichst langfristig zu sichern und Ihnen dafür die nötige Unterstützung bereitzustellen. Dass Sie bis vor einiger Zeit im Ausland beschäftigt waren, spielt dabei keine Rolle.

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