Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Kolja Schwartz im Portrait

TV-Rechtsexperte Kolja Schwartz

Kolja Schwartz beantwortet Fragen von Betroffenen

Seit vielen Jahren ist Kolja Schwartz fester Bestandteil der ARD Rechtsredaktion. Als Jurist und Journalist ist er aus den Sendungen wie der „Tagesschau“ oder „Kaffee oder Tee“ bekannt. In dieser Ausgabe beantwortet er Fragen zum Rechtsanspruch auf Teilhabeleistungen der VISIO-N Leser.

Sabea Weingold (32) aus Celle: Ich habe nur noch einen Sehrest von zehn Prozent. Aber für die Rente bin ich noch zu jung. Wo bekomme ich Unterstützung damit ich nicht arbeitslos werde?
Genau für diesen Fall hat die Gesetzgebung vorgesorgt. Klar nach dem Grundsatz „Reha vor Rente“ ist im Sozialgesetzbuch IX der Rechtsanspruch auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) festgeschrieben. Bei Ihnen wird zunächst geschaut, mit welcher konkreten Hilfe Arbeitslosigkeit vermieden werden kann. So kann zum Beispiel eine Ausstattung Ihres Arbeitsplatzes mit Hilfsmitteln oder eine Qualifizierung bewilligt werden. Den Antrag auf LTA müssen Sie beim zuständigen Reha-Träger wie der Deutschen Rentenversicherung oder der Agentur für Arbeit stellen. Dieser übernimmt die Kosten.

Nadine Baumann (29) aus Koblenz: Ich schule gerade zur Verwaltungsfachangestellten im BFW um. Wird meine Ausbildung abgebrochen wenn ich schwanger werde?
Erst einmal herzlichen Glückwunsch! Eine Schwangerschaft darf nicht dazu führen, dass Sie einen Job oder eine Ausbildungsstelle verlieren. Sprechen Sie frühzeitig mit dem Berufsförderungswerk und Ihrem Reha-Träger. Nach einer Auszeit (Mutterschutz/Elternzeit) können Sie die Ausbildung fortführen und sich jetzt erst einmal auf Ihren Nachwuchs freuen.

Anton Starnitzki (51) aus Emden: Ich war die letzten 15 Jahre als Krankenpfleger beschäftigt. Jetzt verliere ich immer weiter mein Augenlicht, sodass ich dort bis zur Rente nicht mehr arbeiten kann. Muss ich mit 51 Jahren noch eine komplette Umschulung machen oder gibt es Alternativen?
Im Rahmen einer beruflichen Reha gibt es nicht nur zweijährige Ausbildungen, sondern auch Weiterbildungsangebote, die Sie innerhalb kürzester Zeit wieder für den Arbeitsmarkt fit machen. Dabei sollte versucht werden, Ihr Know-how zu nutzen, zum Beispiel indem Sie zukünftig verwaltende Tätigkeiten in Ihrem Bereich übernehmen.

Lars Müller (38) aus Frankfurt: Mein Antrag auf eine berufliche Reha wurde abgelehnt, obwohl ich durch meine Seheinschränkung nicht mehr im Vertrieb arbeiten kann. Muss ich die Ablehnung einfach so hinnehmen?
Nein, den Bescheid sollten Sie nicht hinnehmen. Ich rate Ihnen dazu, innerhalb der Widerspruchsfrist von einem Monat schriftlich Einspruch einzulegen. In Ihrer Begründung sollten Sie die Ablehnungsgründe des Reha-Trägers entkräften. Eine fachärztliche Stellungnahme kann dabei hilfreich sein. Auch ist eine unabhängige Beratung in Ihrer Situation empfehlenswert, zum Beispiel bei den Experten der VISIO-N, den Sozialverbänden oder einem Fachanwalt für Sozial­recht.

Peter Scherer (45) aus Neuss: Durch eine Erkrankung werden meine Augen immer schlechter. Gibt es eine finanzielle Unterstützung für Hilfsmittel, um meinen Büroarbeitsplatz auszustatten?
Ja, die Kosten für die Ausstattung mit Hilfsmitteln können von einem Reha-Träger übernommen werden. Es empfiehlt sich für Sie, sich an ein auf Menschen mit Seheinschränkung spezialisiertes Berufsförderungswerk zu wenden. Dort gibt es Experten, die Ihren Arbeitsplatz individuell begutachten und Sie im Umgang mit den Hilfsmitteln schulen.

Jenni Kercher (35) aus Thüringen: Ich habe zwei kleine Kinder, die ich versorgen muss. Während meiner Umschulung verdiene ich kein Geld. Wie finanziere ich zu der Zeit meinen Lebensunterhalt?
Während Ihrer Ausbildung können Sie finanzielle Unterstützung vom Reha-Träger erhalten. Sie können zum Beispiel Übergangsgeld beantragen. Auch Kinderbetreuungskosten können erstattet werden.

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