Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Franz Badura im Portrait

Vorsitzender PRO RETINA Franz Badura

Franz Badura antwortet auf Fragen von Betroffenen

Franz Badura ist Vorsitzender des Selbsthilfevereins PRO RETINA Deutschland e. V., der Menschen mit Netzhautdegeneration unter anderem eine ganzheitliche Beratung zu sozialen und wirtschaftlichen Fragen bietet. Der Berufsmusiker, der schon vor Papst Benedikt XVI. spielte, stellt sich in dieser Ausgabe den Fragen der VISIO-N Leser.

Frank Pomatski (42) aus Bielefeld: Nach meinem letzten Krankheitsschub, ich leide an Retinitis Pigmentosa, kann ich nicht mehr im Lager arbeiten. Wie ernähre ich jetzt meine Familie?

Wie Ihnen geht es vielen Betroffenen mit einer zunehmenden Seheinschränkung. Für diese Situation gibt es verschiedene technische Hilfsmittel am Arbeitsplatz oder Qualifizierungsangebote für eine berufliche Neuorientierung. Damit wird es Ihnen ermöglicht, weiterhin am Berufsleben teilzuhaben, beziehungsweise den Weg zurück zu finden. Bei einem Rehabilitationsträger wie der Bundesagentur für Arbeit oder der Deutschen Rentenversicherung können diese Angebote über den Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) beantragt werden.

Sara Rosenkranz (34) aus Erfurt: Mein Antrag auf Teilhabeleistungen wurde abgelehnt, obwohl ich nicht mehr im Krankentransport arbeiten kann. Muss ich jetzt die Frührente beantragen?

Es gilt der Grundsatz „Reha vor Rente”. Eine Erwerbsminderungsrente greift erst dann, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Gegen Ihren ablehnenden LTA-Bescheid können Sie innerhalb von vier Wochen schriftlich Widerspruch einlegen, indem Sie eine ausführliche Begründung schreiben. Sozialrechtlich spezialisierte Anwälte und Experten der PRO RETINA, der Sozialverbände und der VISIO-N helfen Ihnen, den Widerspruch zu formulieren und die Erfolgsaussicht zu erhöhen.

Gerd Billerbeck (38) aus Duisburg: Ich interessiere mich für eine Umschulung in einem Berufsförderungswerk, das ich nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann. Das Ticket ist aber teuer. Muss ich das selber bezahlen?

Ihre Kosten für Anreise und Heimfahrten während einer Maßnahme werden vom zuständigen Rehabilitationsträger erstattet. Die Höhe richtet sich nach dem Bundesreisekostengesetz und beläuft sich auf eine Fahrkarte in der 2. Klasse der Deutschen Bahn.

Henrike Schwarz (29) aus Augsburg: Durch einen Autounfall bin ich erblindet und kann als Industriekauffrau nicht mehr am PC arbeiten. Mein Arbeitgeber möchte mich halten. Aber wie soll das möglich sein?

Die große Bereitschaft Ihres Arbeitgebers ist vorbildlich und für Sie eine gute Basis, auf der sich aufbauen lässt. Mit speziellen Hilfsmitteln wie zum Beispiel einem Computer mit Sprachausgabe oder einer Vergrößerungssoftware ist es möglich, Ihren Arbeitsplatz individuell auf Ihre Bedürfnisse anzupassen. Für die Kostenübernahme können Sie sich an das Integrationsamt wenden oder sich in einem BFW für blinde und sehbehinderte Menschen beraten lassen. Dort werden Sie und Ihr Arbeitgeber unterstützt.

Julia Krankl (18) aus Mannheim: Mitten in meiner Ausbildung habe ich mein Augenlicht fast komplett verloren. Kann ich LTA auch ohne eine abgeschlossene Ausbildung beantragen?

Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben richten sich allgemein an Menschen, die aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen aus dem Arbeitsleben ausgeschieden oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind – daher ist in Ihrer Situation auch eine Erstausbildung im Rahmen einer beruflichen Rehabilitation möglich. Den Antrag müssen Sie bei der Bundesagentur für Arbeit stellen. Die Experten von VISIO-N helfen Ihnen dabei gerne weiter.

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