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Ein Auto vor einer Gebigrskulisse

Der falsche Ton

Ein junger Mann wird ermordet in seinem Auto in einem kleinen Eifeldorf aufgefunden. Die Nachricht verbreitet sich dort wie ein Lauffeuer. Niemand hat ihn zuvor dort gesehen. Als ein zweiter Mord passiert, geht die Angst um im Dorf. Ein Fall für den blinden Ermittler Lennard Walden.

Ein Krimi von Renate Gervink.

Der Mann saß in dem dunkelbraunen Kombi mit niederländischem Kennzeichen. Elsa sah nur seine blonden Haare, als sie an ihm vorbeiging. Er hielt den Kopf gesenkt, so, als würde er etwas in sein Handy tippen oder eine Landkarte lesen. Elsa schenkte ihm kaum Beachtung, denn es war Sommer, in dieser Zeit fuhren viele Autos mit gelben Kennzeichen durch das kleine Eifeldorf. Als sie von ihrem allabendlichen Spaziergang zurückkam, stutzte sie. Der Volvo stand immer noch an derselben Stelle und der Mann darin hatte sich nicht um einen Zentimeter bewegt. Sie ging näher an das Auto heran und sah sofort die rote Blutspur, die vom Hals abwärts an seiner Brust herunter auf seinen Schoß führte. Sie griff zur Tür, doch der Wagen war abgeschlossen. Für einen kurzen Moment stieg Panik in ihr auf, dann fasste sie sich wieder, holte ihr Handy aus der Tasche und wählte den Notruf. „Verdammt!“, fluchte sie leise, „wieder kein Netz hier im Tal!“. Sie rannte los. Noch dreihundert Meter bis nach Hause, von dort konnte sie endlich die Polizei rufen.

Eine Woche später hatte sich Lennard Walden, ehemaliger Ermittler und Profiler bei der Mordkommission, bei Elsa Halscheid einquartiert. Ein paar Tage zuvor hatte ihn seine ehemalige Kollegin, Hauptkommissarin Sabine Franck, angerufen und um Hilfe gebeten. Sie kamen bei diesem Eifel-Mordfall einfach nicht weiter. Das einzige, was sie wussten, war der Name des Toten: Cees de Bakker, 32 Jahre alt. Er hatte eine kleine Autowerkstatt in Maastricht und lebte dort alleine. Seine Eltern waren tot. Sein Bruder lebte mit seiner Familie in Dubai - das hatten sie alles schon überprüft. Aber was er gerade in diesem kleinen Eifeldorf gewollt hatte und ob er hier jemanden kannte, hatten sie bislang nicht herausgefunden. Das ganze Dorf war befragt worden, was bei 23 Häusern, die dazu gehörten, nicht besonders aufwändig gewesen war. Doch niemand kannte de Bakker. Bei manchen Dorfbewohnern hatten die Kollegen das Gefühl gehabt, dass sie mehr wussten, es aber der Polizei nicht unbedingt auf die Nase binden wollten, so hatte Kommissarin Franck es Lennard berichtet. „Wir sind in einer Sackgasse, Lennard“, hatte sie am Telefon gesagt.

Und Lennard hatte sich aufgemacht, um zunächst Elsa zu kontaktieren und sie zu bitten, ihn bei seinem Besuch im Dorf zu unterstützen. Sie hatte ihn gleich in ihrem Haus aufgenommen. „Ich brauche die Betten erst zu den Herbstferien wieder, dann kommen meine Enkelkinder her“, hatte Elsa ihm erzählt.

 

Es war Samstag. Lennard saß mit Elsa vor dem Haus in der Sonne am Frühstückstisch. Es war über Nacht warm geworden, fast schon zu warm. Doch die Dorfbewohner ließen sich von der Hitze nicht abschrecken. Ein Trecker nach dem anderen fuhr an den beiden vorbei, die meisten Fahrer winkten Elsa zu. Lennard hatte sich das Leben auf dem Lande ruhiger vorgestellt, doch was er hier zu hören bekam, übertraf fast den Straßenlärm, den er in seiner Stadtwohnung auf der Terrasse hörte. Neben den Treckern konnte er weitere Lärmquellen ausmachen - Motorsägen, Rasenmäher, Kreissägen, Heckentrimmer. „Und ich dachte, auf dem Land sei es ruhig bis auf ein paar Hahnenschreie am Morgen und Schafmeckern am Abend“, sagte Lennard erstaunt zu Elsa. Sie grinste: „Nirgendwo ist es lauter, als in einem Dorf auf dem Land an einem Samstag im Sommer“, erwiderte sie. „Und warte erst einmal ab, heute Nachmittag lösen die Horden von Motorradfahrern, die die engen Kurven der Eifeler Landstraßen so lieben, und später dann die Dorfjugend mit ihren frisierten Mopeds die morgendlichen Krachmacher ab. Damit keine Langeweile aufkommt.“ Elsa nahm so gut wie alle Dinge des Lebens gelassen, das mochte Lennard.

 

Die beiden beobachteten das Treiben. Dann machte sich Lennard zu einem Spaziergang auf. Mit seinem Stock konnte er nicht nur Hindernisse erkennen, sondern auch die Art des Untergrunds ertasten. Eine Teerstraße fühlte sich anders an, als ein Sandweg, Rasen anders als Pflastersteine und ob der Weg nass oder trocken war, spürte er auch sofort. Anfangs war Elsa mit ihm gegangen, hatte ihm die Dorfbewohner vorgestellt, doch nun fühlte er sich so sicher, dass er sich alleine auf den Weg machte. Von einem Trecker überfahren zu werden, war höchst unwahrscheinlich, so laut, wie die waren, konnte er sie schon von weitem hören. Doch in diesem Punkt behielt er nicht Recht.

Lennard hatte nach ein paar Tagen gelernt, die Trecker des Dorfes zu unterscheiden. Der Trecker, zum Beispiel, der gerade an ihm vorbeifuhr, war ein Fendt und gehörte Fritz, einer der wenigen Bauern im Dorf. Fritz war auf dem Weg zu seiner Wiese, um den Kühen frisches Wasser zu bringen. Dann war da noch der John Deere von Roland und der Steyr von Thomas. Sie hörten sich alle unterschiedlich an und auch die Fahrer gingen unterschiedlich mit ihren Traktoren um. Der eine gab sofort schnell Gas. Der andere fuhr von Anfang an eher gemächlich. Die Fahrweise schien sogar zu den Charakteren zu passen: Thomas, der schnellste unter den Treckerfahrern war ein sehr nervöser Typ, der auch schnell sprach und dem manchmal beim Sprechen die Luft wegblieb; Fritz war ein gemütlicher älterer Mann, der eigentlich schon lange in Pension sein könnte, aber sich ein Leben ohne seine Tiere nicht vorstellen konnte. Nur Roland konnte Lennard nicht so richtig einschätzen. Der Bauer hatte zwar eine tiefe Stimme, eigentlich beruhigend in der Wirkung, aber irgendetwas stimmte mit ihm nicht. Lennard spürte das, konnte es aber nicht in Worte fassen. Wenn er Roland ansprach, war er zunächst ruhig und freundlich, kam Lennard aber auf seine Landwirtschaft zu sprechen, wurde er einsilbig, fast schon nervös und versuchte sofort, das Thema unauffällig zu wechseln. Er war dabei sehr geschickt und niemand sonst wäre das aufgefallen, doch Lennard hatte eine besondere Wahrnehmung für Veränderungen der Stimme. Er war der lebende Beweis für den Ausspruch von Sokrates „Sprich, damit ich dich sehe“. Er konnte anhand der Stimmen mit einer erstaunlichen Treffsicherheit erkennen, in welcher Stimmung sein Gegenüber war.

 

Seit er vor acht Jahren durch einen Einsatz so schwer verletzt worden war und die Ärzte zwar ihn, aber nicht sein Augenlicht hatten retten können, hatte Lennard seine verbliebenen Sinne trainiert. Sie mussten die Aufgaben der Augen übernehmen. Zunächst war es ihm besonders schwer gefallen, mit seinem Handicap umzugehen, doch nach und nach hatte er sein Vertrauen in sich und auch seinen Lebensmut wiedergefunden. Nun wurde er immer dann von seinen Ex-Kollegen gerufen, wenn die trotz ihres Sehvermögens kein Licht ins Dunkle eines Falles bringen konnten. Mit der Zeit war er zu einer Art forensischem Phonetiker für seine Kollegen geworden, sie hatten mit vereinten Kräften schon so manchen Täter dingfest machen können.

 

Lennard war schon eine Weile gelaufen und hatte mit zwei Nachbarn geplaudert. Als er ungefähr auf der Höhe der Dorfkirche war, hörte er Roland mit seinem John Deere auf ihn zukommen. Und dann geschah das für ihn Unvorstellbare: Der Trecker kam näher und näher, die Treckergeräusche wurden immer lauter. Plötzlich spürte Lennard die Wärme des Motors und den Windhauch der mannshohen Räder. Dann ging alles sehr schnell. Lennard schrie auf, im gleichen Augenblick fasste ihn eine Hand und zog ihn mit großer Wucht von der Straße. Er verlor den Halt und stürzte. Der Trecker fuhr weiter. Lennard blieb einen Moment wie benommen liegen. „Bist du verrückt geworden, Roland“, hörte er Elsa hinter sich schreien, „Pass doch auf!“ Sie half Lennard auf. Ihm war nichts weiter passiert, nur eine kleine Schürfwunde, das war alles. Trotzdem war er alarmiert. Hatte Roland ihn wirklich nicht gesehen?

Für weitere Gedanken blieb keine Zeit, denn plötzlich erfüllten laute Sirenen das ganze Dorf. Polizei, Kranken- und Feuerwehrwagen rasten an den beiden vorbei zu den Wiesen außerhalb des Dorfes. Die Neuigkeit verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Man hatte den alten Fritz tot auf seiner Wiese gefunden, mit eingeschlagenem Schädel. In Gruppen standen alle Dorfbewohner auf der Straße und redeten aufgeregt durcheinander. Zwischendurch schaute der eine oder andere zu Lennard und Elsa herüber. „Komm, wir gehen nach Hause“, sagte Elsa, „Ich glaube, die Leute denken, du hättest etwas damit zu tun.“

 

Sie sollte Recht behalten. Nach diesem Zwischenfall war die Stimmung gekippt. Zwei Tote waren zwei zu viel. Und dann auch noch ein fremder blinder Mann, der durchs Dorf lief, als könne er sehen, der die Leute an ihren Stimmen, Gerüchen und den Motoren ihrer Autos und Trecker erkannte. Wenn Lennard durch die Dorfstraße lief, spürte er zwar keine direkte Abneigung, eher so etwas wie ein höfliches Schweigen. Die Zeiten des fröhlichen Plauderns waren eindeutig vorbei.

 

Lennard begann, Roland zu beobachten. Die Sache mit dem Trecker ließ ihm keine Ruhe. Der Bauer fuhr morgens in aller Frühe am Haus von Elsa vorbei und hielt an einem Schuppen außerhalb des Dorfes. Er ließ den Motor an, blieb gut eine viertel Stunde und kehrte dann wieder zurück. Das Gleiche wiederholte sich am Abend. „Fünfzehn Minuten sind für die Versorgung von Tieren etwas wenig“, dachte er. „Ach, der Roland, der hat gar keine Rinder mehr“, erzählte ihm Elsa, als Lennard sie nach dem Bauern fragte. „Der Ärmste, er hatte zunächst auf Milchkühe gesetzt, doch als die Preise so in den Keller gingen, dass nur noch die großen Bauern überleben konnten, hatte er alles verkauft und sich auf Schafe spezialisiert. Bis diese in einem Jahr fast alle an einer Seuche erkrankten und notgeschlachtet werden mussten. Roland erhielt zwar vom Staat eine Entschädigung, doch die reichte vorne und hinten nicht. Nun schlägt er sich mit Gelegenheitsjobs durch. Er und seine Frau sind zu bedauern, so haben sie sich ihr Leben sicher nicht vorgestellt. Roland war schon vorher kein einfacher Zeitgenosse, aber inzwischen ist er zum richtigen Einsiedler geworden. Spricht kaum, geht nicht aus, grüßt nur noch widerwillig.“

 

Lennard spürte, dass Roland sein Kandidat war. Aber er konnte ja schlecht auf ihn zugehen und ihn mit seinem Verdacht konfrontieren. Roland hätte ihn ausgelacht, ein Blinder, der ein Verbrechen untersucht! Und wenn er Hauptkommissarin Franck bitten würde, einen Durchsuchungsbefehl für Haus und Scheune von Roland zu besorgen, würde sie ihn ohne Zweifel ungläubig fragen, ob er nicht wüsste, dass man dazu einen konkreten Verdacht oder Beweise haben musste. So blieb ihm nichts anderes übrig, als geduldig weiter zu beobachten. So oft es ging, versuchte er Roland auf der Straße zu begegnen. Er kannte ja nun seine Gewohnheiten. Der wiegte sich in Sicherheit, ein Blinder konnte ihm, Roland, ja nun wirklich nichts anhaben. „Eigentlich ein ganz netter Kerl“, dachte Lennard, „wenn er nicht so viel Pech gehabt hätte, wäre er bestimmt sehr umgänglich und schließlich sogar noch Vorsitzender des Karnevalsvereins geworden.“

 

Den dritten Tag in Folge hatte Lennard Roland mit seinem Trecker morgens und abends auf die gleiche Art und Weise an Elsas Haus vorbeifahren hören. Hinfahrt, kurzer Halt, Rückfahrt. „Da stimmt doch etwas nicht“, dachte er am Morgen des vierten Tages. Er nahm sich vor, Rolands Schuppen einen Besuch abzustatten. Der Weg dahin war ihm zwar unbekannt, aber er wusste ja mittlerweile mit den Unebenheiten auf dem Lande umzugehen. „Viel schlimmer wird es dorfauswärts auch nicht sein“, meinte er. Zuvor hatte er noch mit Sabine Franck telefoniert und ihr von seinen Beobachtungen erzählt. Sie wollte am Nachmittag kommen und mit ihm das weitere Vorgehen besprechen.

Lennard ging los. Der erste Teil war noch gut geteert, dann folgte eine Schotterstraße, danach spürte er festen und harten Lehmboden. So hatte es Elsa ihm beschrieben. „Wenn der Lehmweg nach links abzweigt, folgst du der Abzweigung und triffst direkt auf das Gatter zur Scheune. Das ist meist nicht abgeschlossen.“ Lennard fühlte ein Unbehagen, als der das Gatter öffnete und zum Eingang der Scheune ging. Er stolperte ein paar Mal, er musste immer wieder dicken Steinen ausweichen.

Als er die Scheune erreicht hatte, öffnete sich die Tür. Plötzlich hörte er Rolands Stimme. „Was willst du hier, das ist Privatbesitz. Verschwinde!“ Roland war außer sich vor Wut. Lennard hörte, wie er näher kam. Er saß in der Falle. Zurück konnte er nicht. Er musste sich schnell etwas ausdenken: „Entschuldige Roland, ich wollte einmal einen anderen Weg nehmen, als den durchs Dorf. Und nun habe ich mich vollkommen verlaufen. Ich wollte gerade Elsa anrufen und sie bitten, mich abzuholen. Alleine finde ich nicht mehr zurück.“ Während er sprach, drang aus der Scheune ein leises Stöhnen. „Ich bringe dich nach Hause“, sagte Roland. „Komm, ich schließe nur noch ab und hole mein Fahrrad.“ Lennard stutzte. Die Worte wirkten fürsorglich, doch seine Stimme verriet etwas ganz anderes. Sie klang gepresst, nervös, höher als sonst. Lennard wusste, was das bedeutete. Roland war dermaßen angespannt und zu allem bereit. Er durfte jetzt keinen Fehler machen. „Warte“, sagte er zu Roland, „Hast du ein Glas Wasser für mich? Ich habe mich so aufgeregt, dass ich mich verlaufen habe. Das passiert mir immer wieder. Diese verdammte Blindheit!“ Er ging weiter in Richtung Scheune. Roland war ihm auf den Fersen. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Lennard nahm zwei Gerüche gleichzeitig wahr. Von links kam ein süßlich herber Geruch, den er aus seiner Jugend kannte, als er mit seinen Freunden Marihuana geraucht hatte. Von rechts nahm er den beißenden Gestank von Schweiß und menschlichen Exkrementen wahr. Zugleich lagen Dieselschwaden in der Luft. Aber Roland war nicht mit dem Trecker da, sondern mit dem Fahrrad. Warum also Diesel?

Im nächsten Augenblick packten ihn Rolands kräftige Arme und stießen ihn nach rechts, von wo das Geräusch und der Gestank kamen. Im selben Augenblick knallte die Tür, ein Riegel wurde davor geschoben. Lennard stolperte und fiel auf etwas Weiches. Wieder das Stöhnen, jedoch dieses Mal von ganz nah. Er war über einen Mann gefallen. Der war gefesselt und hatte unüberhörbar Klebeband über dem Mund. Lennard nahm ihm das Klebeband ab und löste seine Fesseln. „Danke, das war knapp“, sagte der Mann mit starkem holländischen Akzent. Wir müssen hier raus, Roland hat den Schuppen mit Diesel übergossen. Du bist der Blinde aus dem Dorf, oder? Roland wusste, dass mit dir etwas nicht stimmte, als du hier ankamst. Du hast alle Leute ausgefragt und wärst kurz über lang auf unsere Plantage gekommen. Dabei hatten wir alles so gut geplant. Wir wollten das Marihuana über die Grenze nach Holland verkaufen. Wir hatten schon einen Abnehmer. Die Männer kamen zu zweit und versprachen uns ein großes Geschäft. Der eine zumindest. Der andere war weniger gesprächig und dabei so nervös, dass wir stutzig wurden und uns etwas Bedenkzeit erbaten. Auf dem Rückweg müssen die beiden sich derart gestritten haben, dass der eine den anderen erschoss, den Wagen danach abschloss und zu Fuß ins andere Dorf gekommen sein muss, denn wie du weißt, hat niemand hier etwas bemerkt. Wir hatten nichts damit zu tun und doch wäre bestimmt bald herausgekommen, dass wir hier eine illegale Hanfplantage haben. Also will Roland alles verbrennen.“ Der Mann schrie. „Der spinnt wohl, wir haben die beste Ernte aller Zeiten und der Dreckskerl will alles zunichtemachen! Dagegen habe ich mich natürlich gewehrt, wir haben uns geprügelt. Als ich am Boden lag, hat er mich gefesselt und hier eingesperrt.“

Plötzlich roch Lennard Feuer. Roland hatte es wirklich getan. Die Flammen loderten ihnen von der Tür aus entgegen. Es gab kein Fenster und keine weitere Tür, außer der verschlossenen. Sie hämmerten dagegen und schrien so laut sie konnten. Sollte alles so zu Ende gehen? Es war aussichtslos, die Flammen kamen bereits unter der Tür hindurch.

Da öffnete sich die Tür und Roland stürzte mit nassen Decken auf sie zu: „Legt die Decken über den Kopf und kommt. Gib mir deinen Arm, Lennard.“ Sie rannten durch die Flammen und kamen gerade noch rechtzeitig nach draußen bevor die Scheune mit einem lauten Knall in sich zusammenbrach. Roland hatte es sich in letzter Minute anders überlegt. Er war zwar auf die schiefe Bahn geraten, aber er war kein Mörder.

Als Sabine mit ihren Kollegen vom Sondereinsatzkommando an der Scheune ankam, sah sie drei triefend nasse Gestalten in die Flammen starren. „Wie bist du eigentlich auf mich gekommen?“ durchbrach Roland das Schweigen. „Deine Stimme“, sagte Lennard. „Immer wenn ich dich auf deine Scheune ansprach, hatte sie diesen falschen Ton.“

Roland und sein Komplize wurden abgeführt und kamen in Untersuchungshaft. Die beiden beteuerten immer wieder, mit dem Tod des alten Fritz nichts zu tun zu haben. Dass sie die Wahrheit sagten, bewies sich kurze Zeit später, als der Obduktionsbericht des Pathologen vorlag. Dem Bauern war nicht der Schädel eingeschlagen worden, er war auf seiner Wiese einem Stier ausgewichen und dabei so unglücklich gefallen, dass er mit voller Wucht mit dem Kopf auf den Wassertrog gestoßen war. Er war sofort tot. Tragisch, aber ein Zufall, kein Mordfall.

Lennard und Elsa saßen wieder vor dem Haus. Es war Sonntag. Und es war still. Fast schon zu still, dachte Lennard.

 

 

 

 

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