Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Zwei Männer beim Kochen mit Hilfsmitteln

Vom Elfenbein- zum Leuchtturm

Die BFW als Begleiter von Innovationen

Kurt Tucholsky hatte ganz recht: „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.“ Technologische Innovationen zum Abbau von Barrieren gehen oft an der Lebenswirklichkeit vorbei. Um gute Absichten von vornherein in die richtigen Bahnen zu lenken, arbeiten die BFW mit Entwicklern zusammen.

Der Leuchtturm, eins der ältesten Navigationssysteme der Welt, erlebt gerade ein Revival: Nicht Schiffen, sondern seheingeschränkten Menschen könnte ein Beacon, ein Sender im Briefmarkenformat, in Zukunft den Weg weisen. Dabei werden die Sender so im Raum platziert, dass sie über Bluetooth einen Nutzer auf seinem Smartphone lokalisieren und mit Informationen versorgen können. Der Lehrstuhl für Psychologische Ergonomie der Universität Würzburg entwickelt in einem Seminar Konzepte dafür, wie sich mit Beacons Barrieren abbauen lassen. Seminarleiter Robert Tscharn war von Anfang an klar: „Wir kennen die Zielgruppe gar nicht – und im berüchtigten ‚Elfenbeinturm‘ wollen wir nicht produzieren. Also haben wir mit dem BFW Würzburg eine Kooperation angebahnt, die sich als sehr fruchtbar erwiesen hat.“ Die Studierenden haben Rehabilitanden aus dem BFW kennengelernt, zu Barrieren und deren individuellen Umgang mit Technik befragt und darauf aufbauend erste Prototypen entwickelt, die seheingeschränkte Menschen durch Gebäude navigieren. „Wir haben diese Prototypen im BFW mit der Projektgruppe, insgesamt 26 Personen mit verschiedenen Formen der Seheinschränkung, getestet. Mit der Genauigkeit der Navigation war der Großteil zufrieden, lediglich bei der Frage nach dem Sinn von Kontextinformationen gingen die Meinungen auseinander.“ Gemeint ist: Wenn der Seheingeschränkte an einem Kaffeeautomaten vorbei navigiert wird, ist das eine Information, die ihm zusätzliche Sicherheit gibt – oder lenkt sie ab? „Jetzt wissen wir, wo unsere Applikation individuell anpassbar sein muss. So ein Feedback bekommt man eben nur von der Zielgruppe.“ Deswegen geht die Kooperation weiter. „Es gibt viele weitere Ideen, wie im Personennahverkehr, die wir weiter verfolgen, damit Seh- und Bewegungseinschränkung nicht mehr Hand in Hand gehen müssen.“

Den gleichen Anspruch verfolgt die Hallesche Verkehrs-AG (HAVAG), die sich zu einer Projektgruppe mit Rehabilitanden des BFW Halle und Selbsthilfeverbänden zusammengesetzt hat, um einen Spagat zu schaffen: „Zum einen ist es uns ganz wichtig, dass sich Betroffene in unserem Verkehrsnetz orientieren können – und das geht nur mit akustischen Informationen. Zum anderen möchten wir aber auch nicht die Anwohner mit Ansagen im Minutentakt stören“, sagt Projektleiter Peter Kolbert. Es brauche also ein Gerät, das den seheingeschränkten Nutzer identifiziert und die Ansage nur auslöst, wenn sie gebraucht wird. Das Smartphone, und damit auch Beacons, waren hier ungeeignet: „Die Vorgabe der Gruppe lautete: Das Gerät muss klein, leicht, übertragbar, langlebig – und vor allem autonom nutzbar sein.“ Also ließ die HAVAG einen Transponder entwickeln, der alle diese Kriterien erfüllt und die Testphase hervorragend bestanden hat. Letzte Hürde: Die Genehmigung einer Förderung des Landes Sachsen-Anhalt, um die technische Installation zu finanzieren. Doch Peter Kolbert hat Hoffnung: „Hier in Halle kann ein Modell für andere Kommunen geschaffen werden. Vielleicht werden wir ja zum Vorreiter und lenken damit eine
Entwicklung.“

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