Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Beratungssituation

Partner des Patienten

Augenärzte sind wichtige Schnittstellen auf dem Weg zurück in den Beruf

Für Menschen, die durch eine Seheinschränkung oder Erblindung von Berufsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit bedroht sind, ist der Augenarzt eine wichtige Schnittstelle auf dem Weg zurück in den Beruf. Das betont Prof. Dr. Bernd Bertram, Vorsitzender des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA), im Gespräch mit Visio-N.

Nach der Diagnose einer Erkrankung, die zu einer Seheinschränkung führen kann, entsteht bei Betroffenen ein Beratungsbedarf, der über die Therapie und medizinische Behandlung hinausgeht. Wie sehen Sie als Augenarzt Ihre Rolle als „Begleiter“ auf dem Weg zu einer umfassenden Rehabilitation?

Viele Patienten interessiert zunächst, welche medizinisch-therapeutischen Möglichkeiten zu einer Verbesserung oder Stabilisierung des Sehvermögens bestehen und die Prognose für die Entwicklung des Sehvermögens. Erst danach und nach einer gewissen Akzeptanz, dass eine Verbesserung nicht möglich bzw. eine weitere Verschlechterung zu erwarten ist, sind die meisten Patienten bereit, sich mit der Seheinschränkung auseinanderzusetzen. Als Augenarzt verstehe ich mich als Partner des Patienten – dort, wo ich therapeutisch nicht mehr helfen kann, bin ich eine wichtige Schnittstelle, indem ich die geeigneten Möglichkeiten aufzeige: Dies kann sowohl die Verordnung oder Anpassung von vergrößernden Sehhilfen als auch der Hinweis auf z.B. Berufsförderungswerke, Mobilitätstraining, Integrationsfachdienst sowie die Ausstellung von Blindengeldgutachten oder anderen Bescheinigungen sein. Auch darf bei vererbten Krankheiten die humangenetische Beratung nicht vergessen werden.

Schlechtes Sehen kann die berufliche Teilhabe nachhaltig beeinträchtigen. Was raten Sie betroffenen Patienten?

Das ist sehr individuell je nach Krankheit, Schweregrad der Sehbeeinträchtigung und Prognose. Bei Diabetikern mit schwerer Retinopathie dauert es bei einer intensiven Laserbehandlung häufi g einige Monate, manchmal sogar mehr als ein Jahr, bis es zu einer Stabilisierung des Befundes kommt, der dann viele Jahre so bleiben kann. Dann kann aber teilweise wieder eine Sehschärfe erreicht werden, die das Ausüben des vorher ausgeübten Berufes erlaubt. Anders sieht dies bei Krankheiten ohne Möglichkeiten der Verbesserung oder Stabilisierung aus: Wenn der erlernte Beruf nicht fortgeführt oder wieder aufgenommen werden kann, müssen wir mit dem Patienten klar seine Möglichkeiten bezüglich seiner Sehprognose und die damit verbundene Perspektive einer berufl iche Neuorientierung besprechen: Wichtig scheint mir für uns Augenärzte, die berufstätigen Sehbehinderten auf einen möglichen Rechtsanspruch auf Teilhabeleistungen am Arbeitsleben hinzuweisen und an Stellen wie die Visio-N, Berufsförderungswerke oder Sozialdienste zu verweisen, die entsprechend fallindividuell und umfassend beraten.

Welche Rolle spielt die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller am Rehabilitationsprozess beteiligten Akteure?

Der Augenarzt ist für den Patienten in der Regel die erste Anlaufstelle. Um ihn auf dem ganzen Weg der Behinderung begleiten zu können, ist es unerlässlich, dass wir gut informiert und vernetzt sind mit den anderen Professionen, zum Beispiel über regionale und überregionale Netzwerke wie das AMD-Netz. Aber auch Sehbehindertentage, die SightCity oder Aktivitäten bei der Woche des Sehens oder Vision 2020 Deutschland sind geeignete Plattformen für den fachübergreifenden Austausch. Viele Augenärzte haben auch Kontakt zum nächstgelegenen Berufsförderungswerk. Diese Vernetzungen mit den verschiedenen Professionen und der Selbsthilfe sind deutlich besser geworden, aber noch ausbaufähig.

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