Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Zwei Männer beim Kochen mit Hilfsmitteln

App ins Leben

Selbstbestimmt im Alltag

Wem vom Arzt mitgeteilt wird, dass seine Seheinschränkung dauerhaft ist, fragt sich nicht nur, wie es beruflich weitergeht. Neben Leistungen zur Teilhabe am Arbeits­leben bietet das BFW Unterricht in der Alltagsbewältigung an: die Lebenspraktischen Fähigkeiten und das Mobilitätstraining. VISIO-N gibt einen kurzen Überblick.

Lebenspraktische Fähigkeiten

Hier geht es in erster Linie um die eigenständige Bewältigung des Alltags. Insbesondere wenn niemand zugegen ist, der helfen kann – oder überhaupt sollte, wie beim Bezahlen im Restaurant.

Wie bezahle ich?
Der Euro ist barrierefrei konzipiert. Er lässt sich nach Größe und taktiler Struktur ordnen: Je höher der Wert des Scheins, desto größer ist er. Bis auf das Kupfergeld ist zusätzlich zum Größenunterschied jede Münze mit einer charakteristischen Riffelung versehen. Mit ein bisschen Übung kann man jeden Betrag auch ohne Sehvermögen abzählen.

Wie mache ich mich ausgehfertig?
Die Wohnung wird unter fachlicher Anleitung systematisch strukturiert. Jede Hose hat ihren festen Platz, ebenso wie die Zahnbürste und der Rasierer. Damit auch kein Haar ausgelassen wird, wird auch das Rasieren systematisch einstudiert. So kann man neben dem rechten Ohr beginnen und sich mit geraden Strichen zum linken vorarbeiten.

Woher weiß ich, was ich esse?
Hier wird der Teller als Ziffernblatt der Uhr gedacht: Das Fleisch kommt auf vier, die Kartoffeln auf acht und das Gemüse auf zwölf Uhr. Das Gute an der Analogie: Sie ist leicht zu vermitteln. Man kann den Kellner einfach im Vorfeld bitten, das Essen dem eigenen System entsprechend anzuordnen.

Mobilitätstraining

Ziel des Mobilitätstrainings ist es, den Menschen wieder dazu zu befähigen, sowohl kurze als auch weite Strecken eigenständig und sicher zurückzulegen. Ganz elementar ist hierbei der Umgang mit dem Langstock, mit dem sich Stolperfallen ertasten lassen, und die Beantwortung der Frage, wie eine Straße trotz Sehbehinderung sicher überquert werden kann.

Wie benutze ich einen Langstock?
Es gibt viele Techniken, einen Langstock zu benutzen – und jede einzelne hat eine ganz bestimmte Funktion. Mit der Pendeltechnik zum Beispiel bewegt man sich zügig nach vorn, mit der Schleiftechnik findet man Orientierungspunkte im Boden, mit der Diagonaltechnik Hauseingänge in der Wand. Es gibt noch zahlreiche weitere Techniken, die alle nach einer Zeit intensiven Trainings ganz intuitiv angewendet werden können.

Wieso ein Langstock, wenn ich doch sowieso einen Blindenhund bekomme?
Das ist ein häufiger Trugschluss. Nicht jeder Sehbehinderte, auch nicht jeder Blinde, erhält automatisch einen Führhund. Außerdem kann dieser nur dann sinnvoll eingesetzt werden, wenn der Besitzer die grundlegenden Regeln des Mobilitätstrainings bereits verinnerlicht hat. Der Hund ist ein reiner Wegeführer, der die Aufgabe hat, situationsbedingte Hindernisse wie parkende Autos oder Pfützen zu umgehen, beziehungsweise davor zu warnen, indem er stehen bleibt. Zudem hilft der Blindenhund dabei freie Sitzplätze, Treppenaufgänge oder auch den Ausgang aus einem vollbesetzten Café zu finden, sodass der Sehbehinderte sich nicht auf den Langstock verlassen muss. 

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