Der Gesetzgeber hat rechtliche Möglichkeiten geschaffen, damit Menschen mit Seheinschränkungen wieder zurück in die Arbeit finden. Berufliche Reha hilft weiter!

Die Initiative "VISIO-N" bietet Betroffenen Infos, Tipps und Hilfe rund um das Thema Umschulung und berufliche Rehabilitation.

Sportschützin Monika Blankefort

Mit den Ohren sehen

Sportschützin Monika Blankefort trifft zielsicher ins Weiße

Zielbewusst geht Monika Blankefort nicht nur die Umschulung im BFW Düren an, sondern auch ihr Hobby: Ihre Freizeit verbringt sie nämlich am liebsten auf dem Schießstand. Eigentlich nicht weiter ungewöhnlich – wäre die 30-jährige Meisterschützin nicht nahezu blind.

Knapp 10 Prozent Sehkraft und ein kleines Gesichtsfeld sind Monika Blankefort geblieben, aber davon lässt sie sich nicht ausbremsen: Im BFW Düren lernt sie gerade einen neuen Beruf und auch sportlich ist die angehende Bürofachkraft auf Erfolgskurs. Bei den Blindenschießlandesmeisterschaften in Dortmund hat sie in diesem Jahr einen neuen Landesrekord mit 378 Ringen aufgestellt und holte sich den vierten Platz bei den Deutschen Meisterschaften. „Da ist aber noch Luft nach oben“, betont die Norddeutsche, der das Sportschießen quasi im Blut liegt: „Ich bin im Schützenverein groß geworden.“ Beide Eltern sind als Schützen aktiv und auch sie selbst stand schon als 12-Jährige mit dem Luftgewehr auf dem Schießstand. „Allerdings habe ich damals noch normal gesehen.“ Unter anderem durch einen Nystagmus wurde die Sehkraft mit den Jahren stark beeinträchtigt. Das ständige Augenzittern machte nicht nur den Beruf immer schwerer, auch das Hobby musste die junge Frau schließlich aufgeben: „Ich habe mein Ziel wortwörtlich aus den Augen verloren“, sagt die gelernte Heilerziehungspflegerin. „Dass es Blindenschießen gibt, habe ich erst im BFW Düren erfahren, als ich dort meine Umschulung begonnen habe.“

Mit Tönen zum Ziel
Die St.-Ewaldus-Schützengilde in Düren ist einer von wenigen Schützenvereinen in Deutschland, der den Sport für blinde und sehbehinderte Menschen möglich macht. Denn dafür braucht es ganz besondere Hilfsmittel: Statt eines Zielfern­rohrs hat das Gewehr eine spezielle elektronische Technik, die sogenannte Optronik. Dabei wandelt eine hochsensible Fotozelle ein­fallende Lichtimpulse in Töne um, die Monika Blankefort über einen Kopfhörer empfängt. „Normalerweise ist das Zentrum der Zielscheibe schwarz und die äußeren Ringe weiß. Beim Blindenschießen ist es genau umgekehrt. Hier ist das Ziel weiß und wird von einer Lampe angestrahlt“, erklärt sie. „Je näher ich der Mitte komme, umso höher wird der Ton und wenn ich das Ziel genau im Fokus habe, ist er am höchsten. Dann weiß ich, jetzt muss ich schießen.“

Dass ihr Hobby bei Vielen erst einmal Fragen aufwirft, weiß Monika Blankefort: „Wenn Rollstuhlfahrer Basketball oder Blinde Fußball spielen, wundert sich heute niemand mehr. Diese Akzeptanz wünsche ich mir auch für den Blindenschießsport. Aber davon sind wir noch weit entfernt. Dass Menschen ohne Sehvermögen mit dem Gewehr auf weit entfernte Zielscheiben schießen, sorgt in der Regel für großes Unverständnis.“ Viel zu gefährlich – diesem hartnäckigen Vorurteil begegnet die fast blinde Meisterschützin immer wieder. „Dabei ist das Quatsch, denn wir schießen ja nicht einfach blind drauf los“, sagt sie lachend. „Aus Sicherheitsgründen stehen uns auf dem Schießstand ehrenamtliche Betreuer zur Seite. Sie helfen uns beim Einlegen der Kugeln und bei der genauen Ausrichtung des Körpers zur Zielscheibe. Das ist wichtig, damit wir die richtige Karte treffen.“ Beim Schießen selbst hilft ihr niemand, da muss sich Monika Blankefort ganz auf sich und vor allem auf ihr Gehör verlassen:  „Alles eine Frage der Konzentration. Ich sehe inzwischen ziemlich gut mit den Ohren.“

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